Wie lautet der Plural von Rähm?


Man kann mit Fug die Frage stellen, ob ein Hausbau Spaß macht. Also nicht so eine Laubhütte, wie man sie vielleicht als Kind an einem Nachmittag zusammengenagelt hat und in der man dann in der kälteren Jahreszeit doch lieber keine Nächte hätte verbringen wollen, auch keine solide und vielleicht sogar mit Dachpappe versiegelt überdachte Baumhütte, bei der möglicherweise sogar Papa mit Hand angelegt hat und ähnlich wie bei der Modelleisenbahn ein kreatives Revival hatte. Nein, ein richtiges Haus, also zumindest ein tiny home, so was für Minimalisten oder für Leute, die bereit sind, bei einem Wechsel der Beschäftigung alles für die vorherige Tätigkeit Erforderliche kompakt zusammenzufalten, bevor das für die nachfolgende Notwendige ausgepackt, von der Decke herabgeklappt oder sonstwoher gezaubert wird, wo es also wie in einem Blindenhaushalt ein Unding ist, irgendetwas einfach mal herumstehen zu lassen, weil im tiny home dadurch das ganze Verschwindenlassen oder Zum-Vorschein-Bringen klemmt bzw. der blinde Mensch darüber stolpert, der immer genau weiß, wo alles steht und sich daher im wahrsten Sinne blind zurechtfindet.

Ein wintertaugliches tiny home meine ich, also eines, das ohne die Zumutung eines Außenklos auskommt.

Kurze Antwort: Nein, natürlich nicht immer. Aber das „Zusehen“ beim Wachsen, wenn dann mal wieder eine zur Routine gewordene und dadurch zwar schneller von der Hand gehende, aber dann auch nicht mehr sonderlich inspirierende Tätigkeit abgeschlossen ist, das hat schon was. Was auch motiviert, sind Abschnitte, von denen man vorher nicht so sicher weiß, ob die planerische Idee sich praktisch realisieren lässt – jedenfalls dann, wenn sich zeigt, dass der Einfall trägt. Umgekehrt sind jene Erlebnisse frustrierend, in denen man um die Ergebnisse geistiger Tiefflüge herum- oder zuvor unterlaufenen Ungenauigkeiten hinterherimprovisieren muss. Gestern habe ich noch einen dritten Motivator entdeckt: hilfreiche Nachbarn. Nun hat ja vor einigen Wochen Heinrich schon mal zupackend beim Verlegen der Schwellhölzer mitgeholfen; das will ich nicht unter den Teppich kehren. Aber bei den Schwellhölzern hatte ich mir von vornherein gedacht, dass wir die zu zweit verlegt bekommen, obwohl klar war, dass die Dinger zum Teil über 50 kg schwer sein würden.

Bei den Rähmen – Rähme ist nämlich der Plural von Rähm, also vom oberen Abschluss des Rahmenwerks eines Stockwerks, mithin vom Gegenstück des Schwellholzes; der Duden gab diese Auskunft, denn wiktionary kennt dieses Wort überhaupt nicht – war das anders: Die Rähme müssen naturgemäß nicht so viel tragen wie die Schwellhölzer, nämlich praktisch ein ganzes Stockwerk weniger. Aber sie müssen dort robuster sein, wo sie ihre Lasten nicht direkt nach unten abtragen können, wo also die Deckenbalken nicht direkt über den Trägern liegen, sondern auch mal genau dazwischen. Die Positionen der Träger ergeben sich aus dem Standardrastermaß der Holzkonstruktionen, 62,5 bzw. 125 cm. Die Deckenbalken in so großem Abstand zu verlegen erschien mir zu gewagt. (Hey Statiker, alles im Lot?) Wir erinnern uns: Die Deckenkonstruktion sollte zwecks Wahrung der Firsthöhe 4 cm Höhe abgeben; dafür wurde ihr anstelle des Konstruktionsvollholzes Furnierschichtholz spendiert. Wir erinnern uns aber auch: Das Furnierschichtholz ist nicht von der optimalen Sorte, also effektiv schmaler als seine geometrische Breite. Darum liegen sie max. 38 cm auseinander. Und darum sind die Rähme, auf denen fast alle Deckenbalken liegen, anders als die Schwellhölzer 57 mm statt 33 mm stark. Und damit sind sie bei einer Länge von 8,1 m praktisch 100 kg schwer.

Ein Fall für einen Kran, möchte man meinen. Bei zwei Bauleuten allemal. Vor kurzem war ich bei HKL, um nachzufragen, was die für solche Fälle anzubieten haben. Sie haben einen Kran, der quasi ein Radlader mit Extender ist. Dieser Extender ist 13 m lang. Der Kran kostet pro Tag ca. 350 Euro. Netto. Abgerundet. Bei eigener Überführung. Die kein Problem wäre, denn den Radlader habe ich schließlich auch schon x mal unfallfrei durch den morgendlichen und nachmittäglichen Fürther Berufsverkehr navigiert. Abgesehen davon, dass man mit 400 Euro für eine ganze Stange von Bauhelfern eine niveauvolle Grillparty finanzieren kann, gibt es zwei Unsicherheiten mit diesen 13 m: Sind sie ab Vorderkante des Fahrzeugs gerechnet? Und in welcher Höhe? Denn das Haus ist 11 m lang, und davor, in gut einem halben Meter Abstand, lagern 1,25 m breite Furnierschichtholzplatten. Wir haben also von den 13 m bereits 12,75 m verplant, und dazu muss der Extender praktisch horizontal verlaufen, denn in dem Maße, in dem er schräg steht, ist noch der Kosinus seines Neigungswinkels auf die 13 Meter anzuwenden. Es sieht alles danach aus, als wenn diese Gleichung nicht aufgehen will. Und dann wär’s besonders schade ums Geld. Und ein größeres Modell ist so tageweise nicht verfügbar, jedenfalls nicht bei HKL. Man kann natürlich bei Markowitsch anrufen, aber dann landen wir sofort in deutlich anderen Preisregionen, denn dann ist u.a. auch noch der Kranführer zu bezahlen.

Aber vor ziemlich genau einem Jahr habe ich Sascha, einem 50 m weiter wohnenden Nachbarn, mal mit einem Stampfer ausgeholfen, und vor einigen Tagen rief ich ihn an, ob er wohl mal eine Stunde Zeit hätte. Er sagte zu, und er war am Samstagabend auch greifbar. Seine Freundin ließ sich das Happening nicht entgehen und kam mit. Mit ihm und Heinrich wagten wir uns erst an die langen dünnen Rähme, und weil das so flutschte und Heinrich uns so engagiert Mut machte, man könne es doch zumindest mal probieren, wurden meine aus eigenem Leiden gespeisten Warnungen, wir hätten doch alle nur einen (in Zahlen: 1) Rücken, relativiert, um nicht zu sagen beiseite gewischt und Konzepte für die Montage der dicken Rähme gezimmert.

In den Stunden und Tagen zuvor hatte ich die Bauböcke, die ich bereits vor zwei Jahren, eigentlich für das Mauern des Kellers im Nebengebäude, hatte liefern lassen, zusammengeschraubt, und weil sie mir gegenüber Querkräften nicht robust genug erschienen, zum Teil noch mit OSB-Platten ausgesteift, und nun entstand vor der jeweils durch einen Rähm oben abzuschließenden Wand ein zweistufiger Aufbau: 2×3 maximal, d.h. bis ungefähr auf Brusthöhe, ausgefahrene Böcke, auf denen jeweils 2 der Baudielen zu liegen kamen, davor noch mal dasselbe, allerdings komplett eingefahren, also ungefähr in Schritthöhe; auf diesen 3 Böcken lag dann jeweils 1 Baudiele (mehr als 6 Dielen haben wir nicht, denn die sind ja eigentlich nur Reste vom Kellerdeckenaufbau des Nebengebäudes). Ich hatte damals 16 Böcke bestellt, und da wir außerhalb des Hauses eine Zwischenablage der Rähme vornahmen und wir dafür vier Stück für angemessen hielten, kamen sie wirklich und wahrhaftig alle zum Einsatz.

Und ruck-zuck lagen auch die dicken Rähme an Ort und Stelle, und alles passte mit wenigen Millimetern Lücke. Das hätte nicht besser laufen können, und ich malte mir aus, was ein Trupp aus einem halben Dutzend motivierten Leuten, die wissen, was jeweils als nächstes zu tun ist, innerhalb einer Full-Time-Woche stemmen könnte. Aber das waren natürlich Tagträumereien. Die Heinrich nicht daran hinderten, den nächsten angedachten Kraneinsatz für die Verlegung der Deckenbalken ebenfalls wegzudefinieren. Und dort wäre der Kraneinsatz ziemlich abgesichert, weil die Deckenbalken in der Mitte des Gebäudes abgelegt werden müssten und daher nur fünfeinhalb Meter des Extenders plus knapp zwei Meter Holzplatten vor dem Haus veranschlagt werden müssten. Andererseits liegen die längsten Deckenbalken (wegen des Treppenhauses gibt es auch einige kürzere) wieder „nur“ bei unter 60 kg, die man zu dritt problemlos stemmen kann. Aber das sind wieder nur ungelegte Eier, über die wir diesmal nicht gackern wollen.

Was ich bislang unterschlagen habe und hier nur in Kürze abhandele: Alle Fensterstürze und der Türsturz mussten vor dem Auflegen der Rähme mit Dämmstoff ausgefüllt werden, denn die Rähme schließen diese Hohlräume ab, und hinterher bekäme man in diese nichts mehr hinein (und große Luftkammern isolieren viel schlechter als mit Dämmstoff gefüllte). Durch die südlichen Stürze mussten vor der Befüllung elektrische Kabel (für die Motoren zu den Jalousien) geführt werden, denn zwar hätte sich nachträglich auch durch einen 20 cm dicken Sturz eine Bohrung vornehmen lassen, aber man hätte wohl kaum mehr ein Kabel auf einmal durch zwei Hölzer und den Dämmstoff dazwischen führen können. Also geschah das vorher. Die Kabel haben natürlich nicht die richtige Länge; da muss ich dann mittels Lüsterklemme oder Lötung eine Verbindung zur übrigen Verkabelung im Haus vornehmen.

Und schließlich mussten die Ständer/Stegträger wie auch die Fensterstürze auf eine einheitliche Höhe gebracht werden, die trotz aller Sorgfalt in den vorangegangenen Arbeitsschritten nicht gegeben war, warum auch immer. Ein Sturz musste um ca. einen halben Zentimeter abgehobelt werden, eine Schwächung, die ich für akzeptabel halte, ein weiterer um ein paar Millimeter. Und viele Ständer wurden um bis zu zwei Zentimeter aufgedoppelt, eindeutig eine Verfehlung des „zimmermännischen“ Genauigkeitsanspruchs. Mittels Laser, so genannten Glasklötzchen – die sind allem Anschein nach in erster Linie für Glaserarbeiten gedacht, jedenfalls sind das 1…6 mm starke Holzplättchen – sowie Zuschnittresten für größere Stärken und kleinen Nägeln wurde die fehlende Höhe ergänzt und fixiert, und wenn die Rähme erst mal festgeschraubt sind, können die da ohnehin nicht mehr verrutschen.

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Aufbruch in die dritte Dimension


Als ginge es erst jetzt in die Höhe! Seit dem Aufschütten der Sauberkeitsschicht haben wir stetig an Höhe gewonnen. Inzwischen sind zehn Zentimeter Sand, 24 Zentimeter Perimeterdämmung und ca. 25 Zentimeter Stahlbeton übereinandergeschichtet. Das ist relativ unauffällig, solange man nicht daran geht, das Gelände an die Höhe wenigstens der Unterkante der Bodenplatte aufzufüllen. Dann merkt man, dass da noch der eine oder andere Kelleraushub von anderen Baustellen vonnöten sein wird, um das Gelände auf eine einheitliche Höhe zu bringen und gleichzeitig das Haus nicht wie Hochparterre aussehen zu lassen.

Nein, aber jetzt wird es ernst. Das Holz ist seit dreieinhalb Wochen da; das gilt es jetzt unter Dach und Fach zu bringen, und zwar im wörtlichen Sinne. Der Sommer ist zwar unverändert ziemlich warm, aber zuletzt gab es recht häufig Niederschläge, auch wenn das für die Grundwasserfachleute sowie Forst- und Landwirte sicherlich immer noch viel zu wenig ist. Und Wasser ist auf die Dauer unverträglich für Holz. Jetzt im Sommer trocknet ja alles rasch wieder weg, aber der Herbst steht kalendarisch praktisch vor der Tür.

Der erste Schritt war die Vorbereitung der Ankerschrauben. Das hätte an sich schon vorher erledigt worden sein können; keine Ahnung, was uns da wieder abgehalten hat. Dafür wurde wieder zu nächtlicher Stunde der Laser aufgestellt, damit die Unterlegscheiben, auf denen anschließend die Schwellhölzer und letztlich das ganze Haus schließlich ruhen werden, alle dieselbe Höhe haben. Also, so ganz stimmt das nicht, denn zumindest die Außenwände werden zum Teil mit Dachziegelbruch, auf jeden Fall jedoch ergänzend mit Bauschaum unterfüllt. Diese Unterfüllung soll erstens abdichten und zweitens ebenfalls tragen. Auf der ganzen Fläche von immerhin ca. zwölf Quadratmetern wird dies sicherlich auch einige Last auffangen.

Das Nivellieren der Unterlegscheiben war schwieriger als gedacht. (Wie so vieles.) Die Ankerschrauben hatten wir fürs Betonieren mit Schlauchstückchen abgedeckt. Diese Stückchen waren ca. acht Zentimeter lang und in einigen Fällen damit nicht lang genug. Dort hatte der Beton am oberen Ende der Schraube oder zwischen Schlauchende und ebener Betonfläche gewonnen, und der haftete mit beeindruckender Zähigkeit am Stahl. Mit dem Hammer einfach mal abklopfen ging bestenfalls mit einigen hervorstehenden Nasen, nicht aber mit dem, was im Gewinde steckte. Diesem Beton mussten wir mit der Drahtbürste zu Leibe rücken, wo die Muttern unter den Unterlegscheiben so weit nach unten geschraubt werden mussten. An einigen Stellen war es sogar nur eine Mutter, an ganz wenigen haben wir einfach zwei, drei Unterlegscheiben direkt auf den Beton legen müssen. Damit gelang es letztlich, von der Maurertoleranz zur Zimmermannstoleranz herunterzukommen. (Von Zimmerleuten hörte ich den Spruch: „Der Schreiner arbeitet auf den Millimeter genau, der Zimmermann auf den Zentimeter, und der Maurer findet die Baustelle.“) Eigentlich dachte ich, mit dem Laser müsste es doch millimetergenau klappen, aber letztlich gab es dann doch Abweichungen von gut einem halben Zentimeter. Ich fand mich damit ab, weil ich davon ausgehe, dass die doch sehr ungleiche Druckverteilung durch Eckpfosten und Träger ohnehin aus einem geraden Brett eine wilde Welle machen wird – nur dass diese Welligkeit mit bloßem Auge aus gewöhnlicher Perspektive wohl nicht sichtbar sein wird.

Der Zuschnitt der Schwellhölzer war demgegenüber vergleichsweise harmlos. Natürlich ist es etwas mühsam, mit einer Handkreissäge aus einer 1,25×12-qm-Platte von 33 mm Dicke 0,36×10,1-qm-Streifen herauszusägen. (Das muss dort erfolgen, wo die Platten aufgestapelt liegen, denn selbst wenn die angegebene Dichte von 480 kg/cbm stimmt – dabei würde ein Balken schwimmend zu mehr als der Hälfte aus dem Wasser ragen –, wäre die komplette Platte gut 237 kg schwer, weshalb der Kran bei der Anlieferung immer nur zwei solcher Platten auf einmal ablud. Zum Zuschnitt muss freilich zumindest ein Teil der oben liegenden Platte angehoben werden, damit die Säge nicht gleich zweieinhalb Platten in gleicher Weise zuschneidet. Da muss man dann hebeln und andere Tricks nutzen, damit der Rücken keinen Schaden nimmt, denn selbst ein Kran würde da nicht helfen, weil es einigermaßen anspruchsvoll ist, von zwei direkt aufeinander liegenden Platten eine abzuheben.) Aber der Transport der resultierenden Bohlen ist eindeutig anspruchsvoller: Zwei Mann halten die Bohle, und in der Mitte hängt sie dabei um deutlich mehr als einen halben Meter durch. Heinrich, einer unserer Nachbarn, wurde zu einem sehr gern gesehenen Helfer, was auch dadurch möglich wurde, dass er zu dieser Zeit Urlaub hatte und nicht verreist war. Und: Er hat ständig brauchbare Ratschläge, einen kritischen Blick, fehlendes Werkzeug und eine frische Idee aus dem Internet.

Da die Schrauben nicht einmal zentimetergenau im Beton steckten, konnten wir die Bohrungen in den Schwellhölzern nicht planen; wir mussten sie an die tatsächliche Lage der Schrauben anpassen. Also legten wir die Hölzer oben so auf die Schrauben, wie sie in der senkrechten Projektion später auf den Schrauben stecken würden, brachen Bleistifte auf wenige Zentimeter so kurz, dass sie senkrecht unter den Brettern die Schrauben umkreisen konnten, sodass auf den Hölzern ein knapp zwei Zentimeter großer Kreis entstand, zumindest ein krakeliges Gebilde, von dem wir später annähernd einen Mittelpunkt ermitteln konnten. Dann drehten wir die Bohlen um und bohrten 16-mm-Löcher für die die 12-mm-Schrauben, und die passten wie die Faust aufs Auge: Die Schwellhölzer sackten sachte auf die Schrauben, und die Diagonalen der Grundfläche des Hauses weichen um weniger als einen halben Zentimeter voneinander ab!

Die Außenwandschwellhölzer versah ich außerdem auf der Unterseite mit einer Schicht Schweißbahn. Man kann angesichts des Luftspalts zum Beton darüber streiten, ob das notwendig war. Es hat nur zwei, drei Stunden und wenig Geld gekostet und schadet sicherlich nicht.

Im nächsten Schritt kamen Unterlegscheiben oben drauf und selbst haltende Muttern, und als die alle waren, haben wir mit den restlichen Vorräten der einfachen Muttern wie auf der Unterseite gekontert. Auf jeder „normalen“ Gewindestange sind somit sieben oder acht Muttern verschraubt, vier davon im Beton und vier oberhalb! Die Fixierung von oben kann man hinterfragen. Es ist die Frage, ob wir mal Stürme erleben werden, die das Haus umkippen würden, wenn es nicht an der Bodenplatte festgeschraubt wäre. Aber ein Holzhaus ist nun mal deutlich leichter als ein Massivhaus, und die Wandflächen, die dem Winddruck ausgesetzt sind, sind dieselben.

Dasselbe war für die Innenwände durchzuführen. Dort erlebte ich an zwei Wänden die Enttäuschung, dass die Schrauben um bis zu drei Zentimeter versetzt standen. Dazu standen zwei mögliche Vorgehensweisen zur Diskussion: Die Wand bei überstehenden Schrauben eben nur auf eine Reihe von Schrauben zu stellen und die überstehenden Schrauben wegflexen (Ist = Soll). Oder die Wand um drei Zentimeter versetzen (Soll = Ist). Die zweite Variante hätte die Planungen teilweise zu Makulatur gemacht, die erste wäre mir statisch bedenklich erschienen, denn es war auch eine Ost-West-Wand betroffen, und auf dieser liegen viele der von Nord nach Süd verlaufenden Deckenbalken auf. Wir entschieden uns für Soll = Ist. Da gibt es nun zwar ein paar Lücken bei den Schwellhölzern, aber an diesen Stellen tragen sie nichts, sodass diese Lücken lediglich unschön sind und später, wenn die Wände beplankt sind, nicht mehr zu sehen sein werden.

Das war so weit auch schon ein gewisser Aufbruch in die Höhe, wenngleich nur einer um 3,3 cm plus Luftspalt.

Der nächste Schritt war da von ganz anderer Qualität: die Errichtung der Eckpfosten. Diese mussten zunächst gebaut werden. Wir wickelten die 13 Meter langen Pakete mit den Steico-Stegträgern aus, die wir in den „Geschmacksrichtungen“ joist und wall haben, sodann in den Breiten 6 und 9 cm, weiterhin in den Tiefen 16, 20, 24, 30 und 36 cm. Joist ist für Deckenträger und Sparren gedacht, kann aber auch als Träger in senkrechten Wänden zum Einsatz kommen. Sein Steg zwischen den beiden Leimschichtholzträgern ist deshalb etwas stärker, was eine geringfügig schlechtere Wärmedämmung bedeutet. Und er kostet etwas mehr. Wall ist ausschließlich für senkrechte Wände zugelassen, weil sein Steg schmaler und damit schwächer ist. Der Steg verbindet die beiden „eigentlichen“ Träger, die jeweils – einer auf der Innenwandseite, der andere auf der Außenwandseite – eine Tiefe von lediglich 39 mm haben. Würde ein Ständer massiv ausgeführt, trüge er natürlich mehr, allerdings ist massives oder Leimschichtholz nur ein mäßiger Isolator. Man macht den Ständer also lieber etwas breiter, verpasst ihm dafür aber eine „Wespentaille“: den Steg. Der muss die beiden Ständer zusammenhalten, und so trägt das Ganze unverschämte Lasten und kann doch ziemlich mühelos auch bei zweieinhalb Meter Länge gehandhabt werden.

Die unterschiedlichen Breiten wären vielleicht nicht notwendig gewesen. Die 9 cm breiten Träger werden zur Stoßstelle zweier aneinandergrenzender OSB-Platten. Vom Nebengebäude wissen wir, dass das mit 6 cm ebenfalls klappt, wenn die Ständer an der richtigen Stelle stehen. Hier, beim Haus, hängt die Position der Ständer allerdings von der Position der Ankerschrauben ab, und da haben wir ja bereits gelernt, dass dort Maurertoleranzen gelten.

Die Außenwände sind überall 36 cm dick; in den Innenwänden kommen keine Stegträger zum Einsatz, denn dort sind ja keine beträchtlichen Temperaturdifferenzen voneinander zu trennen. Die 24-cm- und 30-cm-Träger dienen nur der Konstruktion der Eckpfeiler, die im Grundriss selbstverständlich 36×36 qcm groß sind. Und zu den Tiefen 16 und 20 verrate ich jetzt nur so viel, dass 16+20 wieder 36 ergeben.

Es ist in der Bestellung vorteilhaft, möglichst einheitliches Material zu bestellen, weil jede angebrochene Packung von Steico mit zusätzlichen Kosten belastet wird. Wir haben das an einigen Stellen berücksichtigt, aber es ist zum Schluss doch eine beachtliche Vielfalt herausgekommen.

Die Eckpfeiler werden so aufgebaut, dass der 24-cm-Träger ausgelegt wird und rechts und links jeweils ein 30-cm-Träger senkrecht (also zwar auch liegend, aber hochkant) angeschraubt wird. Der 36-cm-Träger kann dann von oben wie ein Deckel aufgeschraubt werden. Man hätte das natürlich auch anders machen können, z.B. aus vier 30-cm-Trägern, aber das erschien mir von der Handhabung nicht so elegant. Jeder Eckpfeiler erhält natürlich seine eigene Dämmung, und da man an sein Inneres später nicht mehr herankommt, muss er gleich von vornherein gedämmt werden. Zum Einsatz kamen dafür Restbestände vom Nebengebäude, deren Menge sich dadurch nicht spürbar verringerte. Wir hatten allerdings viel Verschnitt und vermeintliche Verluste vom Winterkellerwasser, die wider Erwarten keinen Schimmel angesetzt und stattdessen wieder ordentlich getrocknet waren, die ich aber nicht mehr in eine Wand hätte pfriemeln wollen. Und dieser Verschnitt ist nun restlos aufgebraucht, was das Innere des Nebengebäudes deutlich aufgeräumter erscheinen lässt.

Der 36-cm-Deckel muss gegen den Druck der Füllung aufgeschraubt werden; dass es genügt, diesen Druck ausschließlich von oben auszuüben, ist einer der Gründe für die 24-30-36-30-Konstruktion. Ein solcher Eckpfeiler wiegt vermutlich ungefähr einen Zentner, vielleicht etwas mehr. Wenn man bedenkt, dass er 2,54 m hoch ist, stellt er damit ein Leichtgewicht dar. Ein Mann kann ihn durch Umarmen und Anheben in seiner Position relativ unproblematisch korrigieren. Das einzige Problem sind daran wieder nur die Ankerschrauben. Eigentlich sollten sie nicht im Wege sein; sie waren es hier und da dann aber doch. Gelöst haben wir das ähnlich wie schon beim Nebengebäude, indem wir mit der Oberfräse entsprechende Nuten in die Stege bzw. Furnierschichthölzer eingebracht haben.

Na ja, und dann standen sie da, und irgendwie wirkten sie sehr hoch. Dabei ragen sie lediglich ca. 2,60 m über die Bodenplatte. Das ist wenig mehr als die heutzutage übliche Raumhöhe in Neubauten – von Luxusbauten, Treppenhäusern und Räumen unter Dachschrägen mal abgesehen. Jedenfalls machte das schon mal Eindruck, und während die Grundfläche des Hauses mit all dem, was da so herumstand, stets sehr übersichtlich von meinem Standard-Fotoplatz aus zu sehen war, dominiert nun der südwestliche Pfeiler das Bild, denn er steht diesem Platz am nächsten, und auch wenn dieser Platz, ein Stapel von Gehwegplatten, gut einen Meter hoch ist, so ist er doch nicht hoch genug, um effektiv über einen der Pfeiler hinwegschauen zu können.

Die Eckpfeiler müssen besser als normale Stegträger gegen Regen geschützt werden, denn was oben in ihre Füllung hineinläuft, das hat einen weiten Weg bis unten und wird dort in keiner Weise belüftet, würde also letztlich doch zu massivem Schimmel und damit zur Zerstörung der Bausubstanz führen. Außerdem ist der Abfluss unten kaum gewährleistet, denn idealerweise steht der Pfeiler ja mit seinen Ständern und Stegen flächig auf dem Schwellholz. Diesem Ideal haben wir uns zunächst mittels Hobel annähern wollen, gaben das jedoch rasch auf. Denn das Schwellholz unter jedem Eckpfeiler ist ja auch nur idealerweise eine vollkommen ebene Platte. Neun Schrauben tragen den Eckpfeiler, und diese deformieren das Schwellholz ebenso, wie der Eckpfeiler nicht millimetergenau zugeschnitten und verschraubt ist. Wir haben also wieder mit den Hölzchen und Kunststoffstückchen gearbeitet, die schon beim Mauern des Kellers vom Nebengebäude wie auch beim Errichten der dortigen Ständer zum Einsatz kamen. Aussage Heinrich: Das rutscht sich zurecht, wenn erst mal die Last des Hauses darauf ruht. So wird es wohl kommen.

Da außer den 57-mm-Platten alles Material aufwändig in Kunststoffplanen verpackt war bzw. zum Teil noch ist, fällt alle paar Tage eine neue Folie an, die noch fast vollkommen intakt ist, da sie lediglich an das Holz angetackert war. Aus diesen Folien haben wir uns Häubchen zugeschnitten, mit denen nun die Eckpfeiler und jeder stehende Stegträger bekrönt werden, also all jene Stellen, an denen sich Regenwasser stauen könnte. Den Plan, die stehenden Pfeiler und Träger zusätzlich mit Haushaltsfolie zu umwickeln, haben wir vorerst fallen gelassen, denn hinter dieser Folie bildet sich leicht Schwitzwasser, auch wenn man sich mit Fug und Recht fragen kann, wo das herkommen soll. (Aber wer mal eine durchsichtige Folie nach einer beliebig langen Folge beliebig trockener Tage über Nacht auf nicht überbautem Boden liegen ließ, weiß, dass am Morgen nicht nur Feuchtigkeit vom Morgentau auf deren Oberseite liegt, sondern auch auf der Unterseite perlt. Überlebenskünstlern gilt ein Stück Folie daher angeblich als einer der elementarsten Ausrüstungsgegenstände in ariden Regionen, denn bekanntlich kommt der Mensch nur eine vergleichsweise kurze Zeit ohne Wasser aus.) Jedenfalls glaube ich momentan, dass das bisschen Schlagregen, das seitlich auf die gedämmten Stegträger trifft, besser abtrocknen sollte als einen Bruchteil davon an unerwünschten, aber anscheinend unvermeidlichen Stellen einsickern zu lassen und dann durch Einschluss am Abtrocknen zu hindern.

Seit das Holz da ist, bemühen wir uns um einen Dreieinhalb-Tage-Einsatz pro Woche, also von Mittwochabend bis Sonntagnachmittag. In der vorigen Woche waren es nur zweieinhalb Tage; manchmal gibt es Termine im Büro, die sich nicht verschieben lassen. Ursprünglich wollten wir uns für die gesamte Baudauer ab Holzanlieferung einen Kran mieten, aber das wäre natürlich teuer geworden, wenn der die halbe Zeit nur herumgestanden hätte. Also haben wir entschieden, erst mal zu sehen, wann wir tatsächlich einen brauchen.

Beim Start zeigte sich rasch, dass die Zuschnittplanung nicht baufortschrittsoptimal war, sondern ressourcenoptimal. Wenn die Stegträger, die man gerade braucht, im Stapel ganz unten stehen, kann man die Packungen darüber ja nicht einfach wegräumen; das könnte nur ein Kran. Also muss man erst die oben liegenden Packungen zerschneiden und die Zuschnitte irgendwo trocken lagern. Das ist nicht weiter schlimm und muss sowieso irgendwann getan werden, aber es hält natürlich auf, und visueller Stillstand ist demotivierend, auch wenn andernorts die Materiallager wachsen.

Was ich erst nach Lieferung lernte, ist, dass die Furnierschichtholzplatten weder vollständig gerichtet noch vollständig symmetrisch abwechselnd geschichtet sind, d.h., anders als bei den Stegträgern verlaufen nicht in jeder Furnierholzschicht die Fasern in derselben Richtung, sondern nur in 80 Prozent. Mein Fehler war, LVL X zu bestellen anstatt LVL R. Für einige Fälle ist LVL X genau richtig, nämlich für hochkant liegende Randstücke, aber für alle übrigen Fälle ist dies nicht optimal. Ich kann nicht behaupten, dass das Konstruktionshandbuch von Steico die erforderliche Information nicht hergegeben hätte. Ich hatte lediglich gelesen, dass Randbohlen Setzungsrisse im Außenputz verhindern und dass diese eben aus LVL X bestehen. (Solche Setzungen treten auf, wenn Holz bei der Trocknung quer zur Faser schrumpft. Wenn also Platten hochkant liegen, die nur aus liegenden Fasern bestehen, wie das etwa bei Konstruktionsvollhölzern der Fall ist, dann sollten diese nicht direkt unter dem Putzträger verbaut werden, oder es kann eben hässliche Probleme geben.) Daher erschien mir diese Variante als die robustere. Was die Biegebelastbarkeit und wahrscheinlich auch die Tragfähigkeit als Ständer angeht, ist jedoch eindeutig LVL R das Material der Wahl. Folglich muss ich die 33-mm-Platten eigentlich als 26-mm-Platten ansehen und die 57-mm-Platten als lediglich 46 mm dick. Bei Ständern sehe ich das als weniger kritisch an; bei Deckenbalken ist der Unterschied dagegen relevant.

Außerdem zeigten sich Fehler in der Zuschnittplanung, aber die erscheinen mir bislang nicht gravierend. Spannend wird, wenn der Rohbau abgeschlossen sein wird, die Frage, was wir mit all den Resten machen werden. Da stecken dann einerseits doch einige Hunderter drin, andererseits nehmen sie Platz weg, und nicht aus jedem Material lässt sich hinter noch was Rustikales schreinern, abgesehen von der Frage, ob wir überhaupt noch was Geschreinertes brauchen, wenn wir unsere Haushalte erst mal „zusammengeschmissen“ haben.

Wir hatten im Vorfeld der Bestellung versucht, Abbundzentren oder andere Dienstleister zu finden, die uns den Zuschnitt machen. Aber in der gegenwärtigen Konjunkturlage picken sich die Anbieter natürlich die Tätigkeiten mit der höchstmöglichen Wertschöpfung heraus, und so war da nichts zu machen, obwohl wir noch gar nicht über Preise gesprochen hatten. Folglich liegt der Zuschnitt nun in unserer Hand, und das ist durchaus anspruchsvolle Arbeit. Meine Bosch-Handkreissäge geht knapp acht Zentimeter tief und zieht 1400 Watt, und die fängt ordentlich an zu wimmern, wenn sie durch die 57 mm durch soll, und zwölf Meter Sägelinie sind da ein weiter Weg. Das haben wir bislang nur für die seitlichen Ankerhölzer der Terrassenfenster auf der Südseite durchexerziert, und auch da fehlt noch ein Stück, weil die Platte, die die bisherigen sieben Stücke enthielt, nur noch andere Teile ermöglicht, die wir aktuell nicht benötigen. Aber die müssen zuerst zugeschnitten werden, bevor wir an tiefere Lagen herankommen.

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Holz vor der Hütte


Am 31. Juli kam endlich der Stoff, aus dem derzeit unsere Träume sind: Holz. Und zwar jede Menge. Leider gute fünf Stunden verspätet und damit für diesen Tag zu spät. Vereinbart war mit der BayWa 7 Uhr. Mit der BayWa war auch ein, zwei Wochen vorher ein Ortstermin um 7 Uhr vereinbart worden: als Besichtigung der örtlichen Gegebenheiten. Wir haben ja nicht gerade einen lässig erreichbaren Bauplatz, quasi runter vom LKW auf die Bordsteinkante. Wer bei uns bis zum Bauplatz vordringen will, muss seinen (bislang waren Lieferungen reine Männerangelegenheiten) LKW schon einigermaßen beherrschen, um keinen Flurschaden anzurichten. Diesen ersten Termin hatte der BayWa-Vertreter höchstselbst versemmelt: Er fuhr nämlich in die Nürnberger Insterburger Straße; nur er allein kann wissen, wie er darauf kam, denn ich hatte bei der Bitte um Erstellung eines Angebots die volle Adresse angegeben. Außerdem hätte es für die Fürther Filiale der BayWa auch ohne Ortsangabe nahegelegen, erst mal in Fürth zu suchen. (Ich wusste gar nicht, dass die Reminiszenzen an die Ostpreußischen Verluste so verbreitet sind; Insterburg liegt heute in Russland, in der Kalingrad-Oblast, und heißt Tschernjachowsk.)

Shit happens. Wie lange das wohl dauern würde von Nürnberg-Katzwang bis Fürth-Hardhöhe? Er ließ mich warten. Um schließlich mitzuteilen, dass es halb neun was werde. Bei allem morgendlichen Berufsverkehr, aber da wäre ich ja mit dem Fahrrad schneller! Ich schrieb zurück, halb neun sei allerspätestens, denn ich hätte im Büro auch noch Termine. Gegen halb neun erhielt ich eine Nachricht, er fahre jetzt (in der Rush-Hour) in der BayWa-Filiale los; da wäre noch ein anderer Kunde gewesen. Ach so? Offenbar ein wichtigerer Kunde. Ich ließ ihn wissen, er könne gleich wieder umkehren. Ich sei nun ebenfalls auf dem Weg, nämlich nach Erlangen.

Am nächsten Tag ein neuer Versuch. Der klappte dann. Und nun, in dieser Woche, dasselbe Spiel noch einmal? Das war zwar wohl nicht von der BayWa verschuldet, aber mein Geschäftspartner ist nicht irgendeine polnische Spedition, nicht Steico, sondern die BayWa. Die waren auch drei Mann hoch da, die Straßenschilder von mir bereits abmontiert und die Wege freigeschnitten, damit die Wege für die langen LKW befahrbar sein würden, ohne Flurschaden anzurichten – und prompt alarmierte irgendein besorgter Mitbürger das Ordnungsamt, aber dessen Vertreter blieben in ihrer inspizierenden Vorbeifahrt cool. Nur eben das Holz war nicht da. Und keine Möglichkeit, die Spediteure zu kontaktieren, denn die waren von Steico beauftragt. Nach gut einer Stunde hieß es, gegen elf würden sie kommen. Die Kranfahrer winkten ab: Wir haben heute Nachmittag andere Aufträge. Morgen früh dann wieder. Der BayWa-Vertreter polterte noch herum: Das stellen wir Steico in Rechnung, Stundensatz 100 Euro, drei Leute, zwei Stunden. Wohlgemerkt: drei Leute; ich war nicht vorgesehen im Aufwandsausgleich. Ich wollte es mir dennoch merken, denn so, wie Steico von der BayWa die Ware würde bezahlt haben wollen, so würde die BayWa umgekehrt von mir einen ansehnlichen Betrag einfordern.

Aus irgendeinem Grund war es dem Vertreter der BayWa wichtig, dass der LKW die Nacht über auf unserem Grundstück stehen würde, wahrscheinlich, um sicher sein zu können, dass am nächsten Morgen nicht noch irgendwas anderes dazwischen kam, weshalb er mich fragte, wie lange ich bleiben könne. 12 Uhr sagte ich zu. Um zwölf blies ich zum Aufbruch, weil niemand gekommen war, nicht ohne Siggi vorher zu bitten, ihr Auto quer in die Zufahrt zu stellen, damit die dann nicht alleine und eigenmächtig in der Zufahrt herumrangieren würden, denn das war mir einfach zu heikel. Außerdem musste ich natürlich die Straßenschilder wieder montieren, denn die konnte ich nicht über Nacht einbehalten. Gerade wollte ich auf die Leiter klettern, da kamen sie dann doch noch: zwei Polen, der eine mit rudimentären Deutschkenntnissen, nette Leute und, soweit ich das verstand, an der verspäteten Abfahrt nicht schuldhaft beteiligt. Das war mir egal, denn mit denen hatte ich kein Geschäft.

Nach ein paar Minuten kapierten sie, dass heute keiner mehr abladen würde. Sie fuhren mit der gebotenen Expertise in die Einfahrt, ich montierte die Schilder notdürftig wieder und verabschiedete mich bis zum nächsten Tag. Theoretisch war das Holz also schon am Mittwoch da. Ich konnte seine schiere Menge also bereits im Juli bewundern:

Am nächsten Morgen traf ich kurz vor sieben ein. Das Trio von der BayWa war ebenfalls bereits vor Ort. Das Rangiermanöver war ja quasi vom Vortag schon eingeübt, und ohne große Verzögerungen konnte es losgehen. Bereits am Vortag hatte ich gelernt, dass der Rad- und Fußweg neben unserem Grundstück durchaus ordentlich gegründet worden war; der Kran war zwar kein Schwergewicht, aber zehn Tonnen hatte der LKW trotzdem bestimmt. Und da waren keinerlei Setzungen aufgetreten. Das war eines meiner Horrorszenarien gewesen: Erst fahren die Zulieferer auf einen Radweg – und das Ganze natürlich ohne Genehmigung durch das Ordnungsamt und ohne jegliche Absperrungen, denn wer viel fragt, kriegt viel Antwort (deshalb hatte ich auch von vornherein klargestellt, dass diese Aktion auf die Kappe der BayWa gehe) –, und dann bröckelt womöglich der asphaltierte Weg weg; da wollte ich gar nicht wissen, was so eine Instandsetzung kosten würde.

Grundsätzlich drei verschiedene Materialien wurden geliefert: 57-mm-Platten, einzeln paketiert, also mit unterliegenden Hölzern verbunden, damit für den Kran jeweils Seile unter der Platte durch angebracht werden konnten, sodann 2er-Packs aus 33-mm-Platten und schließlich die Stegträger. Die Stegträger waren am längsten, nämlich 13 m lang. Sie kamen auf die Westseite, die dem Kran relativ nahe lag. Die 57-mm-Platten sollten auf die Ostseite, die am weitesten entfernt lag. Denn sie müssten etwas leichter sein als die 66 mm der 33-mm-Platten bei gleicher Länge, nämlich zwölf Meter. Und es erwies sich, dass der vorbereitende Besuch des Kranfahrers mit ganz spitzem Bleistift gerechnet war: Wir mussten die 57-mm-Platten quasi zur Zielablage pendeln, weil der Kran zehn Zentimeter zu wenig Reichweite hatte. Ich weiß nicht, was wir angestellt hätten, wenn es 30 cm zu wenig gewesen wären. Denn eine Ablage auf der Bodenplatte kam natürlich nicht in Betracht.

Zwischendurch fuhr der Steico-Vertreter Leberkäs-Brötchen holen, um seine Leute bei Laune zu halten. Das war insofern gerechtfertigt, als einer von ihnen eigentlich Urlaub hatte und nun schon den zweiten Vormittag davon dran gab, um hier einen Kunden zu beliefern.

Die Polen legten kräftig mit Hand an, was den Abladevorgang signifikant beschleunigte. Der Kranfahrer äußerte sich lobend; er meinte, viele Brummifahrer verzögen sich beim Abladen in die Kabine, denn das Abladen sei nicht ihr Job. Hier mag neben der puren Hilfsbereitschaft auch eine Rolle gespielt haben, dass der Sattelschlepper inzwischen 24 h im Verzug war, und er hatte ja Folgeaufträge. Kurz nach zehn dampften die Polen Richtung Garmisch ab, um bei Fendt irgendwas aufzuladen. Für mich war die Kürze des Abladevorgangs insofern vorteilhaft, als der Stundensatz für den Kran nicht ganz gering ist, und zwei Stunden weniger als veranschlagt ergeben schon ein ausgesprochen fürstliches Abendessen, nur mal so als Beispiel.

Und so sah das Ganze dann aus:

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Solide Grundlage


Was lange währt, wird endlich gut, heißt es. Ich weiß nicht, wer sich diesen Spruch ausgedacht hat. Es muss aber wohl jemand sein, der es zum Schluss noch irgendwie hingekriegt hat. Wer nach langem Mühen scheitert, bemüht sich schließlich nicht um Publicity. Die schmissigen Sprüche, die Losern einfallen, stehen daher einfach unter keinem guten Stern und haben es vermutlich schon deshalb nicht in den generationenübergreifenden Katalog guter Ausreden geschafft.

Wir können noch nicht sagen, dass alles gut sei. Aber wir können immerhin verkünden, dass das Betonieren der Bodenplatte in Eigenleistung kein Reinfall war, dass sich also allem Anschein nach darauf aufbauen lässt. Allem Anschein nach? Nun, wir haben sie noch nicht vermessen – obwohl inzwischen einen vollen Monat lang Gelegenheit dazu gewesen wäre. Genauer: Wir wissen nicht, wie weit der höchste Punkt der Bodenplatte über ihrem niedrigsten Punkt liegt, und wir wissen vor allem nicht, wie hoch der höchste Punkt über der Rückstauebene liegt. Ich ahne aber, dass das einige Zentimeter mehr sind als geplant. Ich weiß einerseits, dass das von Vorteil ist in den seltenen, meist recht kurzen, aber dennoch gravierenden Phasen, in denen sich über einer Region so heftiger Regen ergießt, dass die Kanalisation das Regenwasser nicht so schnell abführt, wie es vom Himmel fällt, weshalb sie es – vermischt mit allem, was sich dort sonst noch so befindet – überallhin drückt, wo sich ihm nicht mindestens gleich hoher Gegendruck entgegenstellt. Ich denke da an niedrig liegende Haushalte mit Toiletten, Duschen, Badewannen im Erdgeschoss. Wie unser angehender. Jeder Zentimeter ist ein Millibar Wasserdruck. Nein, viel ist das nicht.

Andererseits gibt es da die Baugenehmigung, in der eine Firsthöhe vorkommt und eine Traufhöhe und daraus abgeleitete Mindestabstände zu den Nachbarn. Sie – diese Höhen – sind nicht verhandelbar, schon gar nicht nachträglich. Die Höhe der Bodenplatte ist in dieser Hinsicht nicht weiter von Belang, denn die Bodenplatte wirft in der Regel keine Schatten. Eine unplanmäßig hohe Bodenplatte erzwänge jedoch ein unplanmäßig niedriges Haus.

Aber das sind bislang alles nur begründete Vermutungen, keine Gewissheit, solange wir nicht nachgemessen haben. Kehren wir also zur Chronologie zurück. Auf dem ersten Bild ist etwas zu sehen, das beim Abfassen des letzten Eintrags zur Baustelle bereits existierte: ein Ankerschraubengestell.

Jedenfalls nenne ich das so. Was steckt dahinter? Im Kern, in letzter Konsequenz ist es der Plan, auch das Wohnhaus auf „Pfählen“ zu errichten, also auf Ankerschrauben wie schon das Nebengebäude, und die Sorge, in eine Bodenplatte aus jeder Menge Stahl und viel Beton nicht die Löcher gebohrt zu bekommen, die erforderlich sind, um Ankerschrauben darin mit der geboten erscheinenden Tiefe …, nun …, eben verankert zu kriegen. Ich kenne Steinbohrer, ich kenne Stahlbohrer, allein, ich kenne keine Stahlbetonbohrer. Inzwischen habe ich zumindest von ihnen gehört, und es erscheint mir nach reiflicher Überlegung auch vernünftig, ihre Existenz als gesichert anzunehmen, weil es gar so viele Szenarien gibt, in denen armierter Beton nachträglich mit Löchern versehen werden muss, als dass sich nicht irgendein kluger Geist dafür eine tragfähige, zumindest aber eine Hilti-Lösung dafür hätte einfallen lassen.

Wenn man mit Leuten über Bohren in Beton redet, die mit solchen Problemstellungen schon mal konfrontiert waren, furchen sich bei denjenigen, die es selbst versucht haben, und zwar mit dem Instrumentarium, über das man in seiner Hobbywerkstatt üblicherweise verfügt, häufig Sorgenfalten in die Stirnen. Diese Falten weichen erst dann einer erlösten Verklärung, wenn der Bericht an die Stelle kommt, an der auf dem Tiefpunkt der Verzweiflung entweder der Fachhandwerker gerufen oder Profiwerkzeug mietweise bzw. sogar käuflich erworben wurde. Und damit verknüpft sich fast unvermeidlich der Name Hilti. (Nein, ich bekomme keine Vergütung von dieser Firma, und das hat sicherlich gute Gründe.) „Wie Butter“ hört man dann meist, wobei sich dieser Vergleich immerhin auf den nicht gerade für seine Geschmeidigkeit berühmten Werkstoff Beton bezieht, und der einzige Wermutstropfen an dem Durchbruch besteht darin, dass dieser Vorsprung durch Technik einen gediegenen Preis hat.

Aber genau diese Buttereigenschaft hätte mir jemand für ein Bohrgerät und für Stahlbeton zusichern müssen, damit ich auf Ankerschraubengestelle verzichtet hätte. Und wenn ich mir überlege, was diese Gestelle an Zeit und Geld gekostet haben, dann halte ich es inzwischen für vorstellbar, dass das nachträgliche Bohren nicht nur die übliche, sondern auch die günstigere Lösung gewesen wäre. Wobei ich eine Einschränkung machen muss: Das Bohren in Beton ist ja nun unabhängig von der Wahl des Geräts, solange es nur eine Bohrmaschine ist, ein einigermaßen brachialer Eingriff in den Beton. Die Schrauben sollten jedoch teilweise nur wenige Zentimeter vom Rand der Platte entfernt sein; und das sind sie auch. Ich halte es für plausibel, dass der Bohrvorgang Risse erzeugt, sind doch die Risse im Material Grundlage für das Entstehen des Bohrlochs. Die Frage ist nur, wie weit sie vom Bohrloch entfernt enden und ob das nicht eventuell zu Ausbrüchen hätte führen können. Das Einbetonieren der Schrauben scheint mir am Ende noch das solideste Gefüge zu gewährleisten, Spezialverfüllmassen für nachträglich gesetzte Ankerschrauben hin oder her. Da fehlt mir bis heute die entsprechende Expertise.

Das oben abgebildete Gestell ist eines von vier komplexeren für die Eckpfeiler. Die übrigen Gestelle für die Außenwände halten jeweils nur vier Schrauben. Diese vier Schrauben sind dicht um einen oder im Falle von Fenstern zwei unmittelbar nebeneinander stehende Stegträger gruppiert und führen die Last eines Stegträgers nach unten in die Bodenplatte ab, sodass die Schwellhölzer eigentlich ziemlich dünn gehalten werden könnten, da sie kaum Kräfte über nennenswerte Distanzen umleiten müssen. Aber auch die „normalen“ Gestelle sind von oben betrachtet deutlich größer, als es die Anordnung der Schrauben erfordert. Das hat zwei Gründe: 1. dürfen die Gestelle nicht direkt auf der XPS-Wanne aufliegen, denn das würde bedeuten, dass Stahl aus dem Beton herausragt und sich so Rost nach innen fressen könnte. Die Gestelle müssen vielmehr ähnlich wie die Stahlmatten auf Abstandshaltern aus Kunststoff aufliegen, und damit dies keine zu kippelige Angelegenheit wird, brauchen sie eine gewisse Grundfläche. 2. müssen die Schrauben sich in einer armierten „Umgebung“ befinden. Es hat wenig Sinn, die Bodenplatte unter unbelasteten Flächen mit Stahl vollzupacken und ihn ausgerechnet dort, wo die Last des Hauses aufgenommen wird, nämlich unter den Wänden, wegzulassen. Die Gestelle müssen also quasi integraler Bestandteil der Armierung werden. Dies geschieht über einzelne Torstahlstäbe, die einerseits mit den Stahlmatten und andererseits mit den Gestellen verrödelt werden.

Dort, wo keine Kräfte von oben aufzunehmen sind, wird keine Bodenplatte benötigt. Deshalb würde für ein Holzhaus eigentlich auch ein Streifenfundament genügen. Tatsächlich habe ich ein etwas schlechtes Gewissen angesichts der Betonmassen, die wir verbaut haben, denn bekanntlich hat Beton eine ziemlich schlechte Ökobilanz. Dafür wäre die Verschalung aber noch komplizierter geworden, und wahrscheinlich hätten wir dann Karbonbeton verwenden müssen, weil eine Armierung… – nun ja – weniger wirksam oder schwieriger umsetzbar gewesen wäre, vielleicht diese Alternative einfach nur nicht eingehend genug beleuchtet wurde. Und außerdem hätte ich auf jeden Fall Wasserdichtigkeit nach unten haben wollen, auch zwischen den Wänden, aber natürlich gibt’s dafür auch Lösungen mit weniger als 25 Zentimeter Beton. So haben wir nun immerhin einen viele Tonnen schweren Temperaturspeicher, das Ding, für das sich viele Massivhausbauherren rühmen (wenn sie von ihren Außenwänden reden).

Und weil das mit den Kräften so ist, habe ich den Beton an den nicht benötigten Stellen in den Außenwänden weggelassen. Ob die trapezförmigen XPS-Blöcke, die ich dort eingefügt habe, nun eine bessere Ökobilanz aufweisen als Beton, sei mal dahingestellt, aber sie sind auf jeden Fall eine verbesserte thermische Isolation nach außen. Heraus kommt, wenn man sich die ganze Sache aufgefüllt vorstellt, eine Bodenplatte gewissermaßen mit Briefmarkenrand, wie man im nächsten Bild sieht. Die größeren Lücken kommen durch Türen und Fenster zustande, innerhalb deren Breite Ankerschrauben entweder nichts zu suchen haben, weil jene bis nach unten reichen, oder nichts bringen, weil für den einen Meter bis zur Unterkante der Fenster keine Abstützung erforderlich ist, da dieser Quadratmeter Wand für sich genommen keine nennenswerte Last ist (die darüber liegenden Lasten werden seitlich an den Fenstern und der Tür vorbei abgetragen).

Am 6. Juni war dann der bislang letzte große Tag. Das Gießen der Bodenplatte war für mich aus mehreren Gründen eine ziemlich spannende Angelegenheit. 1. natürlich: Ich habe das noch nie gemacht. 2. Die Styrodurwanne war zwar nach außen abgestützt, und zwar nicht so lückenhaft und unverstrebt wie noch auf dem Foto, sondern durchaus solide. Aber was ausreichend ist und was nicht, weiß man eigentlich erst, wenn einem mal die Verschalung gebrochen ist. Das jedoch wäre ein mehr als nur ärgerliches Ereignis, so teuer der Frischbeton in seiner Gesamtmenge auch sein mag, denn der Schaden, den man hat, wenn man ausgehärteten Beton von unerwünschten Stellen wieder entfernen muss, dürfte um einiges höher liegen, abhängig davon, was dieser „kalte Lavastrom“ auf seiner ungeplanten Bahn alles beerdigt hat, und die Sache wird noch ärger, wenn die Nachbarschaft davon betroffen ist. Je nachdem, wer am tiefsten liegt…

Ich war also diesbezüglich guter Hoffnung, gestärkt durch vorherigen Besuch seitens eines Betonpumpenfahrers, der schauen wollte, wie gut er mit seiner Pumpe den Beton aus den Mischerfahrzeugen (die den Beton ja eigentlich nicht mischen, sondern während des Transports zur Vermeidung beginnender Aushärtung lediglich in Bewegung halten, aber eben an die kleinen Betonmischer erinnern) in die Ziele, nämlich in die Verschalung und in den Keller, bringen würde, bei dieser Gelegenheit auch einen ausgedehnten Blick auf die Verschalung warf und durchaus ein, zwei kritische Anmerkungen machte, die ich nach diesem Besuch berücksichtigte. Die Ziele waren nämlich die Gründe Nummer 3 und 4: Beton musste nicht nur in die Verschalung, sondern auch in den Keller des Nebengebäudes eingebracht werden, der sich bei etwas längeren oder intensiveren Regenfällen trotz des mittlerweile gesetzten Erdreichs rund herum doch wiederholt als nach unten undicht erwiesen hatte. Dieses Einbringen war nicht mehr senkrecht von oben möglich wie bei „gewöhnlichen“ Baustellen, sondern nur noch quasi schräg durch die Eingangstür. Schon dies wäre mit einem Turmdrehkran, wie er auf den meisten Baustellen herumsteht, nicht mehr zu bewerkstelligen gewesen. Ein solcher Kran ist bei uns aber sowieso nicht vorhanden, sodass auch die nach oben offene Verschalung der Bodenplatte nicht auf diese Weise befüllt werden konnte. Somit „lohnte“ sich die Betonpumpe wenigstens. (Man kann das je nach Betrachtungsweise gegen die Miet- bzw. Standgebühren eines Krans rechnen, die zwar pro Tag umso günstiger werden, je länger der Eigentümer das Teil ohne weitere Aufwände im Einsatz weiß, aber wenn man nur einen oder höchstens anderthalb Tage pro Woche damit arbeitet, ist das trotzdem ein unverhältnismäßiger Kostentreiber, nicht zu reden davon, dass solche Kräne vermutlich immer einen Kraftstromanschluss brauchen – den wir nicht haben.)

Der 5. Grund war die dünne Personaldecke der Baumannschaft. Außer Birgit hatte ich mit einiger Überzeugungskraft noch Kostja gewinnen können, und das war schon das Mindeste, was die Betonlieferanten für geboten hielten. Und alles „nur“ Bürokräfte! Der 6. Grund war die Aushärtungsdauer des Betons, für deren Maximierung wir Aufschläge zahlen mussten, der 7. die Frage, wie horizontal wir das Ganze hinkriegen würden. Eigentlich hätte ich es gerne zentimetergenau gehabt, aber ausgerechnet an diesem Tag ließ uns der Laser im Stich, jedenfalls nach dem ersten Durchmessen vor dem letzten LKW. Möglich, dass wir die festgestellten Ungleichmäßigkeiten verringert haben, denkbar aber auch, dass wir sie überkompensiert und damit womöglich vergrößert haben; das ließ sich dann nicht mehr feststellen. Am Abend dieses Tages gab es Regen, perfekt zum rissfreien Aushärten, und auf der Folie, mit der wir zum Schutz gegen zu schnelles Austrocknen den Beton abgedeckt hatten, war keine ausgeprägte Fließrichtung zu erkennen. Allerdings war es auch nicht gerade ein Wolkenbruch, vielleicht also zu wenig Wasser, um überhaupt einen Fluss in Gang zu setzen.

Die Betonpumpe kam eine halbe Stunde vor der ersten Lieferung. So war es ausgemacht. Das Gerät wurde vom Fahrer entfaltet, wie ein Albatros seine Schwingen ausbreitet: immer länger. Schließlich reichte das Ende bis vor die Haustür. Dort musste ein längeres flexibles Ende angeflanscht werden, als es gewöhnlich bei der Abgabe senkrecht nach unten zur Anwendung kommt. Das besorgte Ludger. So wollte er genannt werden, da ich ihn in Unkenntnis seines Namens einfach mit „Meister“ ansprach, was ich nicht für unter seiner Würde hielt, jedenfalls nicht respektlos gemeint war, aber ihm gefiel das nicht. Kostja und ich zogen Stiefel an und kletterten in die Unterwelt. Kaum lieferte der erste LKW, entfaltete die Pumpe all ihre Gewalt, wodurch der Schlauch in den Händen und Armen zweier Männer sich gebärdete wie ein Urviech. Ruckzuck hatten wir die erste Unterbrechung, weil Kostja einen Spritzer ins Auge bekommen hatte. Beton, so hatte die Firma zuvor in der Barrechnung aufgeführt, sei alkalisch, weshalb einschlägige Arbeitsschutzbekleidung erforderlich sei. Nur: Ich hatte noch nie Betonarbeiter mit Schutzbrillen gesehen. Zum Glück hatten wir einen Kanister Trinkwasser da, sodass mein Helfer sich das Auge ausspülen konnte. Ludger meinte, „seine“ Arbeiter rieben sich auch immer hinterher die Augen. Anscheinend sind Schutzbrillen herabwürdigend. Ich pries mich weise, Kostja trotz des als ziemlich singulär eingeschätzten Einsatzes bei der Berufsgenossenschaft angemeldet zu haben, denn wer konnte schon wissen, was alles kam.

Im Keller kamen unsere Betonrüttler nicht zum Einsatz. Stattdessen glätteten wir den Beton mit einer eigens zurechtgezimmerten Kombination aus einer Siebdruckplatte und einem Griff aus OSB. Als Platte hält OSB ziemlich viel aus, zumindest aufgeschraubt oder aufgenagelt auf ein Holzständerwerk. Als Stiel taugt es nichts. Die improvisierten Geräte überlebten den Tag nicht. Tatsächlich bin ich seither noch nicht wieder im Keller gewesen. Die Besonderheit dort besteht darin, dass nichts mehr auf den Beton aufgetragen wird. So glatt oder zerfurcht, wie der Beton ist, wird der Kellerboden voraussichtlich für immer bleiben. Hoffentlich hat die Leiter, als wir sie zum Schluss aus dem Beton zogen, keine besonderen Spuren hinterlassen. Immerhin haben wir für acht Stunden Verzögerung bezahlt.

Denkbar ist, dass ich aus paranoiden Gründen noch die Fuge zur Wand mit den verbliebenen Resten der Elefantenhaut verschweiße, aber die Dürre des Sommers – ja, auch dieses Sommers wieder – lässt mich diesbezüglich die Prioritäten vorerst anders setzen.

Bei der Bodenplatte war die Handhabung des Rüssels wesentlich einfacher: schlicht vom Körper weg leicht aus der Senkrechten in die gewünschte Richtung drücken. Es war sagenhaft, in welch kurzer Zeit die Pumpe die 7,5 Kubikmeter je LKW durch das Rohr brachten. Wir hatten bis zur Ankunft des nächsten LKW – denn die standen nicht etwa auf der Straße Schlange – immer zu tun, mit dem Rüttler die Luft aus dem frisch vergossenen Beton herauszubringen. Das improvisierte hölzerne Gerät zum Glätten der Betonoberfläche war zwar ganz schön, aber erstens scheiterte es an den Schrauben (dort, wo welche waren; ansonsten ging’s) und zweitens und final an seinem eigenen Gewicht, d.h., der OSB-Arm zerbrach. Verzweiflung löste das aber nicht aus, denn der elektrische Rüttler trieb nicht nur die Luftblasen an die Oberfläche, sondern glättete diese nebenbei noch. Zwar nicht so gut, dass wir danach darauf hätten kegeln können, aber für eine unter einem Fußboden verschwindende Bodenplatte allemal ausreichend genug, und, wie ich feststellen möchte, immer noch besser als bei der kleinen Bodenplatte beim Nachbarn, die dieser wenige Wochen zuvor gegossen hatte. Der hatte allerdings auch keinen Rüttler gehabt. Und die Effektivität dieser Teile kann ich gar nicht genug betonen: Es war wirklich faszinierend, mit welcher „Entschlossenheit“ die Luft nach oben trieb. Der Kellerboden dürfte folglich eine um einiges geringere Dichte haben als die Bodenplatte.

Warum ist nun seit einem Monat „nichts“ geschehen? Immerhin ist „schönstes“ Bauwetter. Nun, erstens ist keineswegs nichts geschehen. Der nächste wichtige Schritt ist nämlich die Holzbestellung. Ich habe mich entschieden, das statische Tragwerk bei Steico zu bestellen. Beim Nebengebäude haben wir diesbezüglich nur „geschnuppert“. Die nicht durchweg guten Erfahrungen mit Konstruktionsvollholz, vor allem mit seiner Formstabilität bei Lagerung über einige Wochen, haben mich bewogen, lieber etwas tiefer in die Tasche zu greifen und dafür Werkstoffe zu erwerben, die sowohl von ihrer statischen Belastbarkeit als auch von ihrer Unempfindlichkeit gegenüber der Witterung mehr versprechen. Diesbezüglich war zum Zeitpunkt der Betonierung nicht mehr vorbereitet als zum Zeitpunkt des Bauantrags: Es gab ein paar Gewerkschnitte, eine Statik, aber keine Stückliste und schon gar keine 3D-Planung, gegen die man die Gewerkschnitte hätte validieren können. Das war nun also alles nachzuholen, und das tat ich. Und ich tat nicht nur bezüglich einer genauen Abschätzung der zu bestellenden Mengen gut daran, sondern nun ist wirklich von jedem einzelnen Teil auf den Millimeter genau bekannt, wie groß es sein muss, wo es zu sitzen hat und, ganz wichtig, dass es dort auch passt und nicht etwa in andere Teile hineinragt, was in der Realität ja auch gar nicht ginge, oder Lücken aufweist, was sehr wohl geht, aber ebenso blöd ist, zumal man das Unmögliche noch mit der Säge korrigieren kann, das Mögliche dagegen nicht.

Diese Planung vollzog sich – zweitens – zu Hause, am Wochenende, im Büro, und das bei allerschönstem Wetter, das so schön war, dass man keinen Bauarbeiter vor die Tür jagen mochte. Deutschlands heißester Juni seit Jahrtausenden! Leute, macht euch frisch! Ach was, macht einfach so weiter wie bisher. Es ist wirklich wahr: Du fährst durch dieses Land der Dichter und Denker und hoffst, es möge doch mal eine nennenswerte, also, eine wahrnehmbare Menge an Menschen anders handeln als bisher, also zumindest ihr Freizeitvergnügen auf eine andere Weise suchen als bisher, wenn sie schon beim Broterwerb mit Sachzwängen argumentiert, sofern sie überhaupt argumentiert. Irgendwo las ich, dass in München mitten im Juni, als sich mal eine Wolke vor die Sonne schob, die gasbetriebenen Heizpilze wieder auf die Straße gestellt wurden… Im Bekanntenkreis, also im versammelten Bekanntenkreis, wo alle einander beliebig tief in die Augen schauen können, berichtet einer nach dem anderen, also lückenlos, allesamt Eltern von Kindern, von Flugreiseplänen, in jeder einzelnen Familie, und das Ganze vorzugsweise bis ans andere Ende der Welt, als gäb’s kein morgen.

Doch ich schweife ab. Die Planung ist vollzogen. Die Anschreiben an die Anbieter sind raus, die Angebote sind da, und morgen wird beauftragt. Dann heißt es auf die Lieferung warten, aber in der Zwischenzeit gibt es Außenarbeiten zu erledigen. Ich habe begonnen, wie man oben sieht, die Außenkanten der Bodenplatte durch eine Rampe zu schützen, also natürlich die Styrodurwanne – die Betonplatte selbst benötigt selbstverständlich keinen solchen Schutz. Das ist immer noch eine Schweiß treibende Angelegenheit, aber immerhin liegen die Temperaturen (im Schatten) inzwischen wieder näher an 30 als an 40 Grad. Damit überlebt man eine solche Schicht schon ganz gut. Diese Rampe wird später zum Teil wieder abgetragen werden müssen, vielleicht so die obersten 20 Zentimeter, um unterhalb des Wandverputzes eine Spritzkante zu spachteln. (Das sind jetzt vermutlich ein paar unfachkundige Begriffe, jedenfalls geht es darum, dass unterhalb der Außenwände ein nach innen versetzter Abschnitt vorhanden ist, damit sich unter keinen Umständen Nässe bis in die Wand hinein staut, die ja wie beim Nebengebäude außen nur von „Pappe“ abgeschlossen sein wird, also den Steico Protect-Platten.)

Abschließend ein Screenshot zur Planung. Die Farben sind natürlich keine echten, sondern dienen der leichteren Unterscheidbarkeit der Materialien. Und, ganz offenkundig: Darin enthalten ist noch keine einzige OSB-Platte und kein Dämmstoff. Und die Platten wird es natürlich zwecks Aussteifung geben müssen, jedenfalls hier und da, bevor wir irgendetwas statisch belasten werden.

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Klimanotstand!


Deutschland braucht den Klimanotstand! Konstanz hat ihn schon. Der Erlanger Stadtrat wurde während einer Bürgerversammlung vor einigen Wochen mit überwältigendem Votum aufgefordert, einen Klimanotstand zu beschließen. Blöd gelaufen, dass die Abstimmung erst mit so großer Verzögerung nach dem Beschluss der Bürgerversammlungsteilnehmer stattfinden soll. Nun kann sich Erlangen nicht mehr die Krone aufsetzen. Diese jedenfalls nicht.

Kaum war es in der Presse – die taz berichtete –, jubelten zumindest Vereinzelte, jetzt müsse aber auch Deutschland… Höchste Zeit! Und: „JEDE politische Entscheidung muss als Priorität den Klimaschutz haben!“ Sieh an.

Ich weiß noch, wie das im großen Saal im Rathaus lief. Vertreter von Fridays for future hatten den Antrag eingebracht. Anwesend von ihnen waren nach meiner Erinnerung ein Student und eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern. Über den Antrag wurde unter den Anwesenden abgestimmt, und es gab einen älteren Herrn, der mit Nein stimmte. Sonst gab es fast nur Zustimmungen. Anscheinend wusste kaum jemand, was ein Notstand ist. Ich habe eben mal in der Wikipedia nachgeschaut: Wohl wurden schon vor Jahrzehnten Notstandsgesetze erlassen und die Verfassung gewissermaßen notstandsfest aufgerüstet, aber aktenkundig ist zumindest dort nicht, dass in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg auch nur ein einziges Mal tatsächlich ein Notstand ausgerufen worden wäre. Und wir hatten immerhin die große Sturmflut in Hamburg, wir hatten Jahrhunderthochwässer, wir hatten die RAF und wir haben die AfD. Indes – keinen Notstand. Alles Lappalien. Deutschland ist schließlich ein souveräner Staat. Jedenfalls sollen wir das alle glauben und möchten das größtenteils wohl auch. Wenn also jetzt erstmals seit ungefähr einem dreiviertel Jahrhundert der Notstand ausgerufen werden soll, muss die Kacke ganz außerordentlich am Dampfen sein.

Und das ist sie ja auch.

Nur scheint das kaum jemanden zu interessieren.

Dabei hat die taz in Wirklichkeit gar nicht berichtet. Sie hat ein Interview mit dem Oberbürgermeister von Konstanz gebracht, unter ferner liefen. Uli Burchardt heißt er, so ist zu erfahren. Und die taz macht die Nagelprobe: „Das klingt dramatisch. Was ändert sich denn jetzt?“ Womit beginnt die vielsagende Antwort? „Es ist eine Selbstverpflichtung“. Aha. „Schatz, du kannst die weiterzappen, denn ab jetzt kommt nur noch Blabla!“ möchte man da rufen, aber man ist ja auch ein wenig neugierig, ob nach diesem Nichts nicht vielleicht doch noch ein wenig Substanz kommen möchte. Wie also geht es weiter? „… wird der Gemeinderat bei jeder Entscheidung verpflichtend die Auswirkungen auf das Klima prüfen.“ Wie denn jetzt? Ich war optimistisch, hoffend und habe weiter gelesen, und das war schon alles? Ihr werdet prüfen?? Das nennt ihr Notstand?? Die taz gibt noch nicht auf. Ihr Abgesandter hakt nach: „Ist der Klimavorbehalt in Konstanz damit rechtlich verbindlich?“ Die Antwort lautet nicht „Ja.“ Sie enthält nicht mal ein „ja“, sondern lautet pathetisch: „Es ist ein Fundament, hinter die [die?] ein Gemeinderat und ich als Oberbürgermeister nicht mehr zurück will und kann.“ Nee! Nun ist es aber wirklich genug!

Hatte ich etwas anderes erwartet? Nein, natürlich nicht. Vorgestern war es, glaube ich, als im Radio zwei Meldungen kamen. Ich habe noch mal etwas recherchiert, um meine lückenhafte Erinnerung sozusagen mit einem Fundament zu versehen, „hinter die“ ich – als Blogger – „nicht mehr zurück will und kann“. Das Handelsblatt vermeldete vor ca. einem Monat, die Bertelsmann-Stiftung, bekannt u.a. für die so genannte „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, habe einen Bericht vorgelegt, demzufolge in einer repräsentativen Studie neun von zehn Befragten angegeben hätten, Klimaschutz sei eine „besonders dringliche Aufgabe …, die vor Ort angegangen werden müsse“. Ich nehme jetzt einfach mal an, dass das eine Studie in Deutschland war. Wo diese Deutschen „vor Ort“ verorten, weiß ich nicht.

Jedenfalls betrachte ich diese Studie als den Teil „Wasch mir den Pelz!“.

Die Süddeutsche Zeitung ist da näher an der Aktualität. Ihre Meldung datiert vom 2. Mai, ist also noch sozusagen druckfrisch. Offenbar ist im Verlaufe des Aprils ein Ruck durch Deutschland gegangen. Roman Herzog lässt grüßen. Denn: „Direkt aus dem dpa-Newskanal“ vermeldet die Zeitung für die klugen Köpfe dahinter: „Die in der großen Koalition umstrittene CO2-Steuer für mehr Klimaschutz ist bei den Deutschen nicht sehr populär. Nur gut ein Drittel (34 Prozent) sprach sich in einer Umfrage für den ARD-‚Deutschlandtrend‘ für den Steuer-Aufschlag etwa auf Sprit und Heizöl aus, …“

Dies ist der Teil „Aber mach mich nicht nass!“

Wir ahnen es bereits: Uli Burchardt will sich nicht nass machen. Und andere wollen es auch nicht. Und darum ist es schlichtweg eine Fehlinterpretation, dass von nun an „jede politische Entscheidung … als Priorität den Klimaschutz haben“ müsse. Oder jedenfalls ist das anders zu lesen, als es ziemlich sicher gedacht war. Der Klimaschutz wird eine Rolle bei den Erörterungen spielen, das Liebesleben von Oktopoden eher nicht. Insofern wird der Klimaschutz eine Priorität genießen, aber eben nur irgendeine und nicht die Top-Priorität. Und das kann auch gar nicht anders sein. Denn fast alles, was der Mensch tut, belastet das Klima. Allein schon, dass er lebt und einen Stoffwechsel hat, der unfähig ist, Photosynthese durchzuführen, also das klimaschädliche Kohlendioxid solarchemisch in klimaneutralen Kohlenstoff und Sauerstoff aufzuspalten, ist eine Belastung des Klimas. Es wäre eine erträgliche Belastung, die die Pflanzenwelt kompensieren könnte, vollständig sogar. Aber der Mensch will ja weitaus mehr, als nur zu leben, jedenfalls der deutsche Mensch. Und nicht nur dieser.

Wollte irgendeine öffentliche Körperschaft mit der Befugnis, Verordnungen und Gesetze zu verabschieden, nur noch mit Klima-Top-Priorität beschließen, dann könnte sie fast nur noch Verbote erlassen. Und sie würde sich damit – siehe „nass“ – extrem schnell extrem unbeliebt machen und innerhalb extrem kurzer Zeit tatsächlich einen Notstand ausrufen müssen.

Natürlich hat es seine Gründe, dass eine CO2-Steuer bei den Deutschen unpopulär ist. Der erste Grund besteht darin, dass die vielen Panzerfahrer ihren Tank auch weiterhin durch die Lande pflügen lassen wollen. Sie, liebe Leserinnen und Leser, finden, der Begriff „Panzer“ sei unangemessen? Zwei Tonnen, bewegt von 200 Pferden – und häufig genug noch mehr –, um einen 80 kg schweren Menschen von A nach B zu bringen, rechtfertigen also nicht den Begriff „Panzer“? Muss ein Panzer immer eine dicke Kanone haben? Reicht nicht, dass er tötet, vieltausendfach pro Jahr allein in Deutschland, nicht vorsätzlich zwar, aber wissentlich, nicht immer von einem Moment auf den nächsten, sondern oft langsam, krank machend, Lebenszeit verkürzend, aber auch die Unfallchirurgien auslastend usw.? Gewiss doch, ich weiß auch, dass es tödlichere Angewohnheiten gibt. Dass der Mensch vernunftbegabt ist, heißt eben noch lange nicht, dass er auch vernünftig sei.

Der zweite Grund besteht jedoch darin, dass es eine Steuer ist, keine Umlage. Es ist eben nicht so, dass es ein Aufkommen aus dieser Steuer gäbe, das pro Kopf der Bevölkerung zu gleichen Teilen vollständig zurückerstattet würde, damit die Schwächsten der Gesellschaft, die sich einen Panzer überhaupt nicht leisten können, an anderer Stelle jedoch über hohe Nebenkosten unzureichend gedämmter Wohnungen belastet werden, weil das die einzigen sind, die für sie noch so einigermaßen erschwinglich sind…, damit diese Leute nicht erwürgt würden von neuen Abgaben. Und der Staat springt ihnen bei… – na ja, eigentlich eher dem Wirtschaftsflügel der CDU/CSU, und der Seeheimer Kreis der SPD und die FDP (die aktuell gar nichts zu melden hat) haben gewiss auch nichts dagegen. Schließlich wollen wir hier keine Gelbwesten.

Obwohl: Dafür sind wir Deutschen ohnehin viel zu zahm. Wir wollen nur einen Klimanotstand. Dann sind wir schon halbwegs zufrieden.

Vor vielen Jahren, als mein Arbeitgeber noch richtig viel Geld für Weiterbildung übrig hatte, besuchte ich mal einen Kurs, kurz und knackig, zum Thema „Ziele“. Ziele, so wurde mir damals vermittelt, müssten smart sein, s wie spezifisch, m wie messbar, a wie aktionsorientiert, r wie realistisch, t wie terminiert. Ich glaube, das war gar kein eigener Kurs; die hätten sich ja lächerlich gemacht mit dem bisschen Wissen an einem vollen Tag. Von mir aus könnten sie die Aktionsorientierung noch weglassen. Aber dann wäre ihnen vielleicht nicht so eine eingängige Abkürzung eingefallen. Klimanotstand – dieses Ziel wäre dann ja in Konstanz von jetzt auf gleich erreicht. Prima.

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Jeden Tag neue Lektionen (aufgrund neuer Fehler)


Wenn man bedenkt, dass ich eigentlich vor hatte, noch im November die Bodenplatte zu gießen, dann liegen wir dramatisch hinterm Plan. Gut, dass wir keine Einzugstermine mehr verkünden. Beziehungsweise ich nur noch ein ironisches „morgen“.

Um nicht schon wieder einen ganzen Monat ohne Update verstreichen zu lassen, erstelle ich hier einen Beitrag trotz geringer erkennbarer Fortschritte. Dabei waren wir in der Zwischenzeit durchaus fleißig. Ich muss mich der Frage stellen, ob wir ineffizient oder ungeschickt oder faul oder anderweitig beansprucht waren. Wahrscheinlich ist es von allem etwas.

Das Bild zeigt die fertig verlegten Stahlmatten und die aus Styrodur geklebte Wanne für den einzufüllenden Beton sowie einige wahrscheinlich schwer zu erkennende Details. Zu den Stahlmatten gibt es folgendes anzumerken: Ich hatte mich dafür entschieden, weil „man das eben so macht“. Profis arbeiten mit Stahlmatten. Das hat seine Gründe. Der wichtigste besteht darin, dass die Stahlbewehrung auf der Baustelle innerhalb relativ kurzer Zeit fertig ist, denn jede Stahlmatte besteht aus einem Geflecht zweidimensional verlegter Torstahlstäbe, wobei das Flechtwerk wahrscheinlich durch maschinelles Punktschweißen einander kreuzender Stäbe entsteht (es gibt also kein abwechselndes Drunter und Drüber wie bei textilem Flechten). Zeit ist Geld. Wie man unter Profis die Probleme vermeidet bzw. löst, die wir damit bekommen haben, weiß ich nicht. Ich würde es nicht wieder so machen, sondern so, wie ich ursprünglich angedacht hatte, nämlich Torstahlstäbe vorzugsweise der benötigten Länge bestellen und diese Stäbe einzeln verrödeln (damit bezeichnet man den Vorgang, bei dem mittels Draht einzelne Stäbe oder komplette Matten mit anderen Stäben oder Matten verbunden werden, sodass sich diese unter dem Fließdruck eingefüllten Betons oder unter den Schritten der Monteure nicht mehr gegeneinander verschieben können).

Der Unterschied zwischen beiden Methoden ist beträchtlich. Ad 1: Wir haben als untere Lage 8 Matten im Schema 4×2 verlegt: im „Hochformat“ vier von Nordwesten nach Südosten mal zwei von Nordosten nach Südwesten. Um diese Matten paarweise unverrückbar zu fixieren, genügen also 2x3x2+4×2 Rödelstellen. 20 Drähte, richtig platziert – das geht unschlagbar schnell. Demgegenüber hätten Einzelstäbe im selben Abstand (15-cm-Raster in beiden Richtungen) mit 3 Fixierungen jedes Stabes über seine komplette Länge von 8 bzw. 10 Metern (3 Fixierungen wegen dieser Länge, weil sonst der mittlere Teil der Stäbe eine unerwünschte „Eigendynamik“ entwickeln könnte) 3×10/0,15+3×8/0,15=360 Rödelstellen ergeben. 1:0 für die Matten. Ad 2: Stahlmatten sollen einander an ihren Rändern überlappen, denn sonst wird das mit dem gegenseitigen Verrödeln schwierig. Tun sie es aber, bedeutet dies mindestens 3 Lagen Stahl bei einer 2-fachen Überlappung, in der unbedachten Überlappung sogar 4 (denn jede Matte besteht für sich ja bereits aus 2 Lagen Stahl). Über Eck ist dadurch jedoch eine vierfache Überlappung unvermeidlich, die somit günstigstenfalls aus 12, im ungünstigsten Fall aus 16 Lagen Stahl besteht. Da die Stabdicke unserer unteren Lage 7 mm beträgt, schichtet sich dieses „Stahlgebirge“ also bereits auf mindestens 8,4 cm auf. Das ist, gemessen an der Dicke einer Bodenplatte, ein relevantes Maß. Das folgende Bild zeigt die 2-fach- (unten Mitte und rechts sowie ganz oben links) und die 4-fach-Überlappung (Bildmitte) in einer Detailaufnahme, zu erkennen an der jeweils intensiveren Einfärbung:

In der oberen Lage kommt es jedoch im wahrsten Sinne des Wortes noch dicker. Hier sind die Stäbe zwar nur 6 mm dick, jedoch sollte, so ließ ich mir sagen, der Stahl oben eher dicker sein als unten. Ich wählte dennoch einen dünneren Stahl, da ich ihn doppeln wollte, also mit einem engeren Geflecht, ungefähr im 7,5-cm-Raster. (Außerdem waren die unteren Matten bereits über 40 kg schwer. 8-mm-Matten wären nochmals um den Faktor 64/49 schwerer gewesen.) Darauf schreitet es sich sicherer beim Betonieren. Und ich wählte ein sparsameres Layout, nämlich 1×5 im „Querformat“ und 1×2 im „Hochformat“, also nur sieben statt acht Matten. Das hat womöglich Schlimmeres verhütet. Es dürfte hier nur 3-fach-Überlappungen gegeben haben, aber 9x2x0,6 ergibt bereits ein „Gebirge“ von knapp 11 cm Stahl. Das sieht dann so aus:

(Im unteren Bild ist rechts oben übrigens eine Rödelstelle zu sehen.)

Beim Verzicht auf Stahlmatten hätte die Lagendicke demgegenüber unten wie oben exakt, überall und ohne Nachdenken 2 betragen. Und der Stahl wäre billiger gewesen, denn natürlich hat der Lieferant mit dem Punktschweißen einen zusätzlichen Arbeitsschritt, aber vor allem lässt er sich die Zeitersparnis der Anwender vergolden. Die Einzelstäbe hätten uns aber weitere Vorteile gewährt, worauf ich noch zurückkomme.

Vom Lieferanten hatten wir uns hinsichtlich der Menge und Beschaffenheit der Abstandsstücke beraten lassen. Man sieht sie in der einzelnen Detailaufnahme oben relativ gut; sie verlaufen zwischen der oberen und der unteren Lage der Stahlmatten und halten diese auf Abstand. Ich wollte eigentlich höhere; zum Glück ließ ich mich davon abbringen. Aus heutiger Sicht wären wegen der „Stahlgebirge“ sogar niedrigere sinnvoll gewesen. Nicht gut war jedoch die Beratung hinsichtlich der Menge. Wir haben die Zickzack-Stücke teilweise in einem vollen Meter Abstand stehen. Das ist zu viel, denn auf dem Bild ist ja zu erkennen, wie dünn die Stäbe sind. Sie halten zwar mühelos das Gewicht der Stahlmatten, aber wenn dann noch Bauarbeiter beim Verrödeln oder später beim Einfüllen des Betons darauf herumlaufen, knicken sie leicht ein. Und solch ein Knick ist irreversibel. Beim Verrödeln sieht man die Position der Abstandsstücke ja noch und kann gezielt direkt auf ihnen herumlaufen – anstatt dazwischen, was zwei Abstandsstücke einem schrägen Druck aussetzt und leichter zu Verbiegungen führt. Beim Betonieren sieht man sie dagegen nicht mehr. Aus heutiger Sicht würde ich an keiner Stelle den Abstand zum nächsten Abstandsstück unter 25 cm fallen lassen, d.h., die Zickzack-Stücke müssten einen maximalen Abstand von 0,5 Meter aufweisen. Das hätte wenig Geld mehr gekostet.

Das – mittlerweile ebenfalls von mir in Frage gestellte (zumindest für eine Bodenplatte) – Konzept der von vornherein einbetonierten Ankerschrauben erweist sich ebenfalls als schwer kompatibel mit den Stahlmatten. Das folgende Bild zeigt die positionierten Ankerschrauben für die Innenwände:

Die Ankerschrauben sind zwischen zwei Lagen Lochblechen eingeschraubt und bilden damit ein relativ solides eigenständiges Gerüst. Verlaufen sie dort, wo Zickzack-Stücke platziert wurden, so müssen diese „zur Seite rücken“ (was teilweise deren Abstände vergrößert und kritisch ist, denn die Ankerschraubengerüste sind nicht in vergleichbarer Weise betretbar). Verlaufen sie dagegen quer dazu, können sie nicht vormontiert werden, denn sie sind durch die Zickzack-Stücke zu „fädeln“, und dabei würden die Schrauben stören. Hier trifft es sich gut, dass die in dieser Richtung zu verlegenden Gerüste deutlich weniger Schrauben enthalten, denn sie verlaufen in Richtung der Dachbalken, und die darauf stehenden Wände müssen daher geringere Kräfte abtragen als die quer dazu verlaufenden. Es ist aber schon ein gewisses Gefummele.

Die untere Lage der Stahlmatten macht dabei noch keine Schwierigkeiten. Mit ihr müssen die Gerüste verrödelt werden, damit sie Standsicherheit haben. Ein gewisses Kippeln ist aber noch möglich, weshalb die Fixierung erst mit der Verbindung mit den oberen Stahlmatten abgeschlossen ist. Genau hier macht das Konzept der Matte gegenüber den Einzelstäben aber auch Schwierigkeiten, denn die Lage der Ankerschrauben lässt sich nicht mit dem Raster der Matten abstimmen; dafür ist deren Positionierung nicht genügend zentimetergenau, und auch die Fertigung ist nicht präzise quadratisch. Ginge es nur darum, an einigen Stellen Stabsegmente aus den Matten herauszukneifen, wäre es lediglich ein anstrengender Vorgang. Die Konflikte zwischen den Ankerschrauben und den Mattenstäben zeigen sich aber leider erst beim Absenken der Matten, und wenn man diese gut 30 kg über Kopf manövriert und dabei unter den zuvor sorgfältig positionierten Ankerschrauben keinen Flurschaden anrichten will, wird die Sache sehr kräftezehrend. Ein Kran wäre dabei hilfreich, aber ich habe gesehen, wie Turmdrehkräne Stahlmatten absenken: Dabei hängen diese auch extrem durch, erlauben also keine Vorabberücksichtigung irgendwelcher Schrauben. Nicht auszudenken, was das mit 8-mm-Matten geworden wäre!

Profis erkennen auf dem ersten/obersten Bild sofort mindestens zwei eklatante Mängel: Die Außenwände werden nicht von Stahl unterstützt, d.h., die Stahlmatten reichen nicht bis zum Wannenrand. In Massivhäusern sind die Außenmauern jedoch diejenigen, die den mit Abstand größten Teil der Last ins Fundament bzw. in die Bodenplatte abtragen. Es wäre also ein Unding, so zu betonieren. Nun planen wir zwar kein Massivhaus, weshalb sowohl Wände also auch Geschossdecke nur einen Bruchteil dessen wiegen werden, was beim Massivhaus auf der Bodenplatte lastet. Dennoch wäre es dumm, ausgerechnet dort, wo ein wesentlicher Teil der Last in die Bodenplatte abgetragen wird, auf Stahl zu verzichten. Der erforderliche Stahl kommt dadurch zustande, dass die Gerüste für die Ankerschrauben der Außenwände mittels einfacher 8-mm-Torstahlstangen mit dem zentralen Mattengeflecht mit Rödeldraht verbunden werden. Im hinteren Teil des ersten Bildes stehen bereits einige solche Gerüste, sind aber wahrscheinlich nicht gut zu erkennen; sie sind auch noch nicht ausgerichtet und verbunden. Komplementär zu diesen trapezförmigen Einzelgerüsten werden Trapeze aus Styrodur platziert, denn zwischen diesen Gerüsten gibt es nichts zu tragen, weshalb es dazwischen auch keinen Beton braucht; dafür wird dort die Bodenplatte zusätzlich thermisch isoliert. Eines dieser Trapeze ist im Vordergrund zu sehen.

Der zweite Mangel ist der bislang nicht abgestützte Wannenrand. Dieser ist 8 cm stark, und es ist fraglich, ob er dem Druck des Betons widerstehen würde. Der verwendete XPS-Kleber haftet zwar beeindruckend, aber eine aufbrechende Wanne ist mir eine Horror-Vorstellung; wir werden also mit umlaufenden und abgestützten Baudielen eine zusätzliche Sicherung errichten.

(Dass der hintere Wannenrand noch fehlt, ist darauf zurückzuführen, dass ich davon ausging, wir würden alle Matten über diese Kante hereintragen und dort nur unnötig oft über den Wannenrand stolpern bzw. diesen einreißen; der muss natürlich noch errichtet werden.)

Tja, und eine nicht ganz billige Konsequenz des „Stahlgebirges“ besteht darin, die Bodenplatte dicker machen zu müssen als geplant, damit der Stahl vollständig von Beton bedeckt wird. Das wird voraussichtlich mehrere Hundert Euro ausmachen und erfordern, den Wannenrand um 4…6 cm aufzudoppeln (jeder Zentimeter ist ein dreiviertel Kubikmeter Beton). Da die Firsthöhe des Hauses dadurch nicht größer werden darf, muss demzufolge die Geschosshöhe etwas reduziert werden – von bislang netto 2,50 m aus. Zum Glück sind die Detailplanungen und Materialbestellungen dafür noch nicht weit gediehen, sodass dies verhältnismäßig leicht berücksichtigt werden kann.

Abgesehen davon, dass die Einbetonierung der Ankerschrauben an so vielen Stellen Schwierigkeiten bereitet – wir werden auch beim Verteilen und Glätten des Betons noch einmal damit zu tun kriegen, denn sie werden Abzuglatten im Wege sein, und sie müssen auch gegen den Beton geschützt werden, wofür es jedoch eine relativ preiswerte Lösung gibt –, stellt sich natürlich die Frage, ob das nicht auch einfacher zu haben wäre. Wahrscheinlich. Ich kenne Stahlbohrer und Betonbohrer. Ich kenne keine Stahlbetonbohrer. Inzwischen habe ich gehört, dass es sie gibt. Ich weiß, dass man mit etwas anderem als einer kräftigen Hilti wahrscheinlich nicht anzufangen braucht, mindestens zehn, eher 15 Zentimeter tiefe Löcher in Stahlbeton zu bohren, aber so was kann man mieten. Ich weiß nicht, wie punktgenau solche Bohrungen gelingen. Ich hätte sozusagen eine Probe-Stahlbetonierung vornehmen und das mal testen müssen. Habe ich nicht. Vielleicht war das ein Fehler. Schule machen wird unser Verfahren aufgrund seiner Nachteile sicherlich nicht. Wenn uns nicht noch etwas Gravierendes schief geht, wird die „selbstgemachte“ Bodenplatte aber immer noch günstiger sein als eine beauftragte, schon wegen der ganzen „Sonderwünsche“ (Hausanschlussschächte u.a.).

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Fridays for future


Ein neues Gespenst geht um in Europa. Nein, nicht der Kommunismus. Und anscheinend auch nicht nur in Europa. Und letztlich ist es auch kein Gespenst. Aber irgendwie muss ich ja anfangen.

Greta Thunberg aus Schweden hat da ordentlich was losgetreten. Und wir alle dürfen gespannt sein, was daraus wird. Und wir dürfen mitmachen, mitgestalten, mitdemonstrieren, manipulieren, auf Abwege führen, beerdigen und so weiter machen wie bisher. Je nach dem, was geht.

Irgendjemand hat die Jugendliche aus Skandinavien, die mit großer Nüchternheit große Probleme in wenige klare Worte fassen kann und dabei meist weder wütend wirkt – wozu sie alle Veranlassung hätte – noch fröhlich, wie es bei fast jeder Demonstration hier und da die jungen Leute auch mal sind, denn Spaß soll es ja gelegentlich schon machen, weil sonst schnell die Luft raus wäre aus der Sache… – irgendjemand also hat sie vor Wochen erst nach Katowice gelotst und dann nach Davos, und obwohl sie keine großen Reden gehalten hat, gab es erstmals richtig Welle, seit sie monatelang ohne große Resonanz vor dem schwedischen Reichstag ihren Schulstreik zelebrierte.

Jetzt also! Deutschlands Jugend entdeckte ihre Empörung über das, was die alten weißen Männer – und wir wollen auch die noch nicht ganz so alten Männer und natürlich auch die Frauen nicht vergessen, ja, eigentlich dürfen wir fast niemanden auslassen – da seit Jahrzehnten unter Missachtung der notwendigen Kursänderungen anrichten. Diejenige Jugend, die gefügig den ihr vorgezeichneten apolitischen Weg zu gehen schien, wettstreitend um die beste Bildung in diesem Land, das für jeden mit guter Bildung auch gute Chancen bietet. So heißt es jedenfalls. Und jetzt das. Na schön, es ist nicht Deutschlands Jugend empört. Es ist ein ziemlich kleiner Teil von Deutschlands Jugend empört. Wir wollen die Kirche im Dorf lassen, denn wenn in der 100.000-Einwohner-Stadt Erlangen nicht einmal 1000 Menschen an einer Freitagsdemonstration teilnehmen, dann sind dies trotz der seit Jahrzehnten kopfstehenden Bevölkerungspyramide immer noch bei weitem nicht alle zwischen 6 und 24, die da durch die Straßen zogen. Dem Rest ist das offenbar egal, oder er hält für wirkungslos, was da an manchen Freitagen passiert, oder er hat Sorge um seine Kopfnoten, Angst vor Verweisen, oder er ist wirksam klimaignorant sozialisiert und zugleich ehrlich genug, dagegen nicht protestieren zu wollen. Oder noch irgendwas von mir Vergessenes.

Es dauerte nicht lange, bis sich die Eltern der Kids in das Geschehen einschalteten. „Unsere Kinder erledigen unsere Hausaufgaben!“ konnte man lesen. Und es ist ja wahr: „You say that you love your children but you are destroying their future.“ schleuderte Greta die simple Wahrheit ihren Zuhörern um die Ohren. Die parents for future, wie die Organisation dieser Unterstützer sich nennt, ist angetreten, den Kindern den Rücken zu stärken, wo die Kultusministerien und selbsternannte Klimaschutzprofis sich anschicken, die jungen Leute an ihre Schulpflicht zu erinnern und, wo dies nicht fruchtet, mit Verweisen, strengen Verweisen und schließlich Strafbescheiden zu drohen. Da braucht man dann natürlich jemanden, der zur Not auch mal im Gesetzestext nachschlagen kann, damit das zarte Pflänzchen nicht zu früh wieder eingeht. Nach allem, was ich bislang gelesen, gehört und erlebt habe, erlegen sich die PFF oder P4F auch eine gewisse Zurückhaltung auf; die Initiative der Jugendlichen soll nicht durch erwachsene Besserwisserei zugeschüttet werden. Gut so!

Doch da sind jetzt zwei Dinge. Mindestens zwei, wahrscheinlich deutlich mehr. Erstens ist der Begriff Streik für das, was da passiert, noch ziemlich unangemessen. Streik kommt ja nicht von ungefähr vom englischen „to strike“, also schlagen. Geschlagen wurde und wird in Veranstaltungen, die üblicherweise unter dem Titel „Streik“ stehen, eine Arbeitgeberschaft. Die Arbeitnehmer, die irgendwelche Forderungen durchsetzen wollen, haben in Verhandlungen nichts erreicht, und jetzt holen sie den Knüttel heraus und schlagen: Sie legen die Produktion still. Das trifft die Arbeitgeber in der Regel recht empfindlich, wenn sie nicht sowieso den Laden dicht machen wollten, und infolge dieses Drucks lassen sie sich meist auf Konzessionen ein. So etwas Ähnliches wie Konzessionen wollen auch Greta & Co. erreichen, nur schlagen sie niemanden. Außer vielleicht sich selbst. Denn in diesem Punkt haben die Direktoren Recht: Wer nicht gerade höher begabt ist und daher solche Lücken locker kompensiert oder sowieso eher der selbststudentische Typ ist, also eigentlich keine Vorträge von Lehrern braucht, beraubt sich anlässlich eines Streiks der professionell gemeinten Wissensvermittlung. Das beeindruckt die deutsche Stromindustrie, notorische Autofahrer und Vielflieger ungefähr genauso sehr, wie die Ostermärsche der 80er Jahre US-amerikanische Atomraketenhersteller beeindruckt hat. Es schlägt sie nicht. Und daher wird man gespannt sein dürfen, wie es dann wirken soll.

Für zweitens muss ich kurz ausbreiten, was ich vor längerer Zeit über den zaristischen Geheimdienst gelesen habe. Es hat ja vor der ruhmreichen Oktoberrevolution schon eine ganze Zeit lang Unruhen in Russland gegeben, Jahre zuvor bereits. Marx war noch im 19. Jahrhundert gestorben, und seither hatte das eingangs erwähnte Gespenst Jahrzehnte Zeit gehabt, durch Europas und Amerikas Arbeiterschaft zu geistern und für Unruhe zu sorgen. Die herrschenden Kreise ließ das angeblich nicht unbeeindruckt. Insbesondere suchte man Keimzellen umstürzlerisch veranlagter Gruppierungen aufzulösen, auszutreten, bevor daraus schwerer zu kontrollierende Bewegungen erwachsen konnten. In Russland schickte man die Leute gerne in Verbannung; das war vielleicht billiger als Knast. Irgendwie jedenfalls trieb diese Verfolgung die Bolschewisten oder wie die sich damals noch nannten auch in nennenswertem Umfang ins Exil, also gleich ganz außer Landes, gerne nach Frankreich: Französische Revolution, Pariser Kommune – von denen war was zu lernen, werden sie vermutlich gedacht haben. Und was tat der zaristische Geheimdienst? Er gründete in Frankreich kommunistische Zirkel. Heute nennt man so was neudeutsch einen Honeypot. Da konnte man zwar nicht viel gegen die Leute unternehmen, aber man hatte sie alle mit Namen und Anschrift und wusste, was sie dachten und planten. Und da man – incognito natürlich – personell vertreten war, konnte man auch hier und da drehen und beeinflussen. Wie das genau lief, weiß ich nicht.

Vor ein, zwei Wochen erfuhr ich durch eine ca. 20 Sekunden lange Recherche, dass eine Stadt nicht sehr weit von Erlangen eine Verbindungsperson in den sozialen Netzwerken der Erlanger PFF hat. So was liegt ja nahe. Mich interessierte, was dieser Mensch so treibt, wenn er nicht gerade den Kids den Rücken stärkt. New-York-Marathon 2018 las ich da, sieh an, ein Lebenstraum. Wahrscheinlich mit dem Ruderboot rübergemacht. Wie denn auch sonst, so als Supporter empörter Kinder…

Nicht der erste seiner Art, dachte ich. Katharina Schulze belohnte sich nach dem anstrengenden und erfolgreichen bayerischen Wahlkampf der Grünen mit einer Reise ins sonnige Kalifornien. Schade, dass das nicht mit dem New-York-Marathon zusammenfiel, sonst hätten sie einen Zweier ohne Steuermann aufmachen können.

Und gestern erfuhr ich, dass eine der deutschen Lichtgestalten der Fridays-for-future-Bewegung, die 22-jährige Luisa Neubauer, anders als Greta einen Scheiß auf die Folgen von Langstreckenflügen gibt, solange sie sie selbst veranstaltet, und dies gleich im ganz großen Stil.

Genauso würde ich das machen, wenn ich RWE wäre. Ich würde mir eine gut aussehende und intelligente Person suchen und zusehen, dass sie kämpferisch an die Spitze derjenigen Bewegung strebt, die ich austrocknen will, kämpferisch nicht nur im Streben um diese Spitze, sondern kämpferisch gegen RWE. Ich würde eine Moralpredigt nach der anderen verfassen, ich würde vom Leder ziehen, ich würde sie so richtig angreifen, die schlimmen Klimazerstörer. Und wenn sich das hinreichend in ausreichend vielen Köpfen verankert hat, dann würde ich die Katze aus dem Sack lassen, damit all die noch nicht zu Zynikern gewordenen jungen Leute begreifen, dass auf wirklich niemanden Verlass ist, noch nicht mal auf die Umweltschützer.

Mission accomplished. Bravo!

Ich will jetzt keiner der genannten Personen unterstellen, dass sie in Wirklichkeit Agenten einer bösen Macht seien. Jedenfalls, solange man Doppelmoral nicht zu den bösen Mächten zählt. Aber sie haben den Affen am Steuer all der SUVs ordentlich Zucker gegeben. Das zumindest haben sie geschafft. Die haben jetzt richtig Oberwasser.

Was nun? Diese Klimaapostel – und bevor das hier missverstanden wird: Gemeint sind diese Klimaapostel, denn ich zähle nur jene zu dieser Gruppe, die sich erwiesenermaßen nach einer Wasserpredigt beim Weinsaufen erwischen ließen – reagieren unterschiedlich. Man hört Erklärungen wie die, dass man aber vegan lebe und der vegane Lebensstil eine wesentlich geringere CO2-Bilanz aufweise. Das stimmt auch, jedoch nur für den Sektor Ernährung. Oder man kompensiere mit Atmosfair (Stichwort: Ablasshandel). Oder man setze sich für Kerosinsteuern ein. Auch das wird im konkreten Einzelfall wohl nicht gelogen sein, aber was bedeutet es? Sollen diese Steuern so weit erhöht werden, dass Politikerinnen wie Frau Schulze sich dann keine Transatlantikflüge mehr werden leisten können? Sollte das kommen, wäre reisen mit dem Flugzeug ein Privileg wie eine Teilnahme an einer ISS-Mission. Das wird also nicht kommen. Ergo wird Frau Schulze auch künftig fliegen können. Nur viele andere nicht mehr. Fliegen wird also ein Wohlstandsprivileg. Warum auch nicht? Schließlich ist Wohlstand ein Privileg schlechthin; man kann damit viele Dinge tun oder für sich erledigen lassen, die weniger Begüterte nicht tun können bzw. selbst erledigen müssen. Das sollte aber nicht auf Dienstleistungen oder Produkte anwendbar sein, die bzw. deren Herstellung der Gesellschaft oder der Menschheit schaden, oder, wenn doch, dann sollte diese Dienstleistung der Menschheit einen noch größeren Nutzen erbringen, als sie ihr gleichzeitig Schaden zufügt. Urlaub in Kalifornien fiele wohl nicht darunter. Wird’s den dann also nicht mehr geben? Wer weiß, vielleicht nur noch per Losentscheid.

Ich fürchte, wir werden nicht darauf hoffen können, dass sich Frau Neubauer oder Frau Schulze für eine Gesellschaft einsetzen werden, in der Geld kein geeignetes Mittel für den Erwerb beliebiger Privilegien darstellt.

Und was macht das nun mit Fridays for future? Ich weiß es nicht. Aber ich bin sicher, dass die jungen Leute es erstens nicht beim Klimaschutz und auch nicht nur bei Umweltthemen belassen dürfen, wenn sie auch nur einen spürbaren Erfolg haben wollen; von einem ausreichenden Erfolg will ich da noch gar nicht reden. Der Kapitalismus kann nicht anders – bei Strafe des ökonomischen Zusammenbruchs –, als immer weiter Wachstum zu fordern, um dem weltweit investierten Kapital die von den Anlegern erwartete Rendite zu verschaffen. Er ist so definiert.

Und zweitens braucht die Bewegung wirksame Selbstreinigungskräfte. Denn noch bevor sie auch nur ansatzweise Erfolg haben wird, wird sie unter Garantie unterwandert sein von Leuten, die diesen Karren kippen wollen, weil für deren Auftraggeber ein Erfolg der Bewegung ein spürbarer Verlust an Einfluss und Vermögen bedeuten würde. Und da hört bekanntlich der Spaß auf.

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